Haltung & Pflege,  Rund ums Pferd

Die 4 größten Gefahren auf der Weide

Das Pferd steht auf der Weide, frisst genüsslich Gras und genießt die Zeit mit seinen Gefährten. Du als Pferdebesitzer musst dir also keinerlei Gedanken um das Wohlergehen deines Pferdes machen. Was kann auch schon passieren? Weglaufen kann es nicht, es ist ja eingezäunt und wenn es fressen kann, macht es sowieso keinen Unfug. Falsch gedacht! In diesem Artikel zeige ich dir, welche Gefahren auf der Weide auf dein Pferd lauern und was dadurch passieren kann.

Weidezaun

Viele Pferde knabbern gerne an Holz oder sind wahre Ausbrechkünstler. Deshalb sollte der Weidezaun ein Schutz für die Tiere sein und keine Gefahr.

Holzeinzäunung

Die meisten Weiden sind mit Holz eingezäunt. Aber nicht jedes Holz kann dafür verwendet werden oder ist sogar gesundheitsschädlich für Pferde. So z.B. alte Telefonmasten, die in Teeröl getränkt worden.

Das Holz darf also nicht giftig, dafür muss es aber sehr beständig und belastbar sein. Dafür bietet sich das Robinienholz am besten an, aber Achtung! Dieses darf nur geschält in Einsatz kommen, da die Rinde hoch giftig für Pferde ist.

Auch bei der Lackierung und Imprägnierung solltest du Acht geben, denn die Inhaltstoffe enthalten meist giftige Zusätze, die dein Pferd nicht abknabbern sollte. Bestenfalls solltest du deine Zaunpfähle gar nicht lackieren, sondern hochdruckimprägnierte Pfähle wählen. Diese sind sehr langlebig und ungiftig für Pferde.

Plastikpfähle

Gerade zum Abstecken größerer Weiden werden gerne die Plastikpfähle benutzt, die man in jedem Pferdefachhandel kaufen kann. Sie sind ja auch sehr praktisch, auch zum Mitnehmen für das Turnier.

Kommen wir nun zu unseren Ausbrechkünstlern… Plastikpfähle lassen sich schnell verbiegen und brechen. Dabei können scharfe und spitze Kanten entstehen, an denen sich dein Pferd böse verletzen kann.

Ist der Boden zu hart und du bekommst dadurch die Pfähle nicht weit genug rein, besteht die Gefahr, dass diese rausgerissen werden und die Metallspitze offen auf der Weide liegt. Auch hier besteht wieder ein erhöhtes Verletzungsrisiko.

Stromlitzen und Draht

Die am weitesten verbreitete Art eine Pferdeweide einzuzäunen ist mit Strombändern, -Litzen oder -draht. Diese gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen. Und die Gefahr dabei?

Sind wir wieder bei unserem Ausbrechkünstler… Strombänder sind zwar breit und gut sichtbar, reißen aber dafür recht schnell. Sind diese dann nicht an jedem Isolator gesichert, wickeln diese sich schnell ab und hängen bzw. wehen auch der Weide. Dabei kann sich das Pferd darin verheddern und stürzen oder aufschürfen.

Draht ist zwar sehr viel stabiler, aber viel schlechter zu sehen und kann auch schwere Verletzungen verursachen. Er kann sich z.B. in das Fleisch schneiden, wenn das Pferd versucht durchzurennen. Stacheldraht ist bei Pferdeweiden im Übrigen verboten!

Dürre

Die letzten Sommer waren sehr heiß und trocken. Dabei trocknet auch der Boden und die Pflanzen aus. Die Pferde haben kaum noch Gras auf den Weiden.

Ausgetrocknete Weide

Man kann beobachten, wie Weiden sich während Trockenperioden in Kleewiesen verwandeln. Weniger gesunde Pflanzen wie Unkraut, Kreuzblütler und Hahnenfuß überleben die Trockenheit jedoch. Die Pferde haben hunger und schlingen alles in sich hinein, was sie noch auf der Weide finden können. Fressen sie dabei z.B. zu viel Klee, können sie an dem sogenannten Slobber-Syndrom erkranken. Dies ist eine Vergiftung, die durch einen leberschädigenden Pilz entsteht, der den Klee befällt.

Sind noch Weidegräser vorhanden, dann sind diese so weit abgefressen und dadurch vertrocknet, dass sie unter Stress stehen und einen giftigen Pilz als Schutz vor Fressfeinden aktivieren.

Sandkolik

Gerade auf abgefressenen Weiden besteht die Gefahr, dass dein Pferd an sehr kurzen Grasbüscheln zupft und sie samt Erde aufnimmt. Manchmal fangen Pferde auch vor Langeweile an mit der Schnute im Sand zu buddeln, wodurch ebenso Sand in das Maul und den Verdauungskanal gelangen kann. Dort lagert er sich dann ab und schränkt die Verdauungstätigkeit ein.

Fruktan

Fruktan ist eine Gefahr, die man nicht sehen kann. Es existiert in den Stängeln des Grases und wird vor allem bei starker Hitze, Kälte oder Wassermangel produziert. Abgefressene Weiden stellen daher eine große Gefahr dar. Aber es kommt dabei auch auf das Gras an. Fruktanreiche Gräser sind z.B. das deutsche Weidelgras und der Wiesenschwingel.  Fruktanarme Gräser hingegen sind Knaulgras, Rotschwingel und Wiesenlieschgras.

Fruktan ist so gefährlich, weil es die Darmflora verändert und sich Gase und Toxine bilden, die die Darmschleimhaut angreifen. Diese Toxine gelangen dann in die Blutbahn und können sich z.B. in der Huflederhaut ablagern. Dadurch kann es zu Hufrehe kommen. Mehr zu Fruktan und seinen Auswirkungen kannst du in diesem Artikel nachlesen.

Giftpflanzen

Leider wird die Gefährlichkeit von vielen Giftpflanzen von Reitern häufig unterschätzt. Teilweise reicht schon ein kleiner Bissen einer Pflanze für schwerwiegende Folgen. Und wie wir ja nun schon wissen, knabbern Pferde gerne alles mal an, was so auf der Weide steht. Auch wenn viele noch denken, dass die Pferde selber wissen, was sie fressen dürfen und was nicht. Damit liegen sie falsch! Ist nichts mehr auf der Weide drauf, außer eben diese Pflanzen, gehen die Pferde auch daran… Deshalb ist es sehr wichtig zu wissen, welche Pflanzen für dein Tier giftig sind. Folgende 3 Pflanzen finden wir besonders häufig auf unseren Weiden:

  • Jakobskreuzkraut
  • Hahnenfuß
  • Klatschmohn

Eine detaillierte Liste mit Bildern in welcher Dosis und mit welchen Auswirkungen die Pflanze deinem Pferd schadet, findest du hier.

Fazit

Auch wenn die Weidezeit die schönste Zeit für die Pferde ist, solltest du immer auf der Hut sein, den Weidezaun regelmäßig kontrollieren und vor allem auch die Weide nach Giftpflanzen absuchen. Gegen Fruktan kannst du leider nicht viel ausrichten, aber du kannst auf die Zeiten achten, in denen du dein Pferd auf die Weide stellst und auf den Zustand der Weide. Lieber einmal mehr die Weide wechseln, als einmal zu wenig und bei starker Hitze die Pferde am besten nur in kurzen Reprisen rausstellen. Nicht nur auf Grund des Fruktanwertes, sondern weil Hitze selbst den Pferden auch schaden kann.

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