Gesundheit,  Rund ums Pferd

Pferde entwurmen – das solltest du wissen

Lesezeit: ca. 25 Min

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Vor einigen Wochen habe ich in der Praxis von dem Tierarzt Dr. Marcus Menzel nach einem Interview zum Thema zeitgemäß (+selektiver) Entwurmung angefragt und ich war sehr erfreut darüber, dass er sich zu einem Telefonat mit mir bereiterklärt hat. Dieses war sehr informativ und aufschlussreich und ich konnte einige wichtige Dinge über Würmer und Entwurmung mitnehmen. An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, dass Herr Dr. Menzel meinen Artikel nicht gegengelesen hat und ich nicht garantieren kann, dass sich vielleicht doch der ein oder andere Fehler eingeschlichen hat. Trotzdem hoffe ich natürlich, dass er für euch aufschlussreich ist und vielleicht die ein oder andere Frage beantwortet.

Welche Würmer gibt es?

Würmer werden in der Fachsprache als Endoparasiten bezeichnet. Diese werden in verschiedene Gruppen eingeteilt: Fadenwürmer, Bandwürmer und die Saugwürmer bzw. Egel. Letzteres kommt in Deutschland aber nicht bei Pferden vor.

Fadenwürmer

Zu den Fadenwürmern gehören die kleinen und großen Strongyliden, die Lungenwürmer, Spulwürmer, Pfriemenschwänze und Magendasseln.

Welche Würmer befinden sich wo im Pferdekörper

Kleine Strongyliden

Die kleinen Strongyliden sind die am häufigsten verbreiteten Endoparasiten in Deutschland. Rund 98% aller Pferde tragen sie in sich, allerdings nicht zwangsläufig in tödlicher Menge. Sie sind ca. 2,5 cm lange, dünne, rötliche Würmer. Die Larve wird über das Futter aufgenommen, wandert in den Darm, wo sie sich zum Wurm weiterentwickelt und seine Eier legt, die dann über den Kot ausgeschieden werden. Ist ein Pferd mit einer gewissen Anzahl von kleinen Strongyliden befallen, so bekommt es meist Durchfall, verliert rasch an Gewicht und es kann vermehrt zu (tödlichen) Koliken kommen.

Große Strongyliden

Große Strongyliden sind recht selten. Nur ca. 1% der Pferde sind davon befallen. Allerdings ist sie die gefährlichste Wurmart! Man erkennt sie daran, dass sie bis zu 5 cm lang werden und eine dunkelrote Färbung haben. Die großen Strongyliden kann man nicht über eine Eizählung in der Kotprobe finden, sondern da muss eine sogenannte Larvenanzucht gemacht werden. Anhand der Darmzellenmenge kann dann festgestellt werden, ob das große oder kleine Strongyliden sind. Also eine sehr spezielle Untersuchung. Auch dieser Endoparasit wird über das Futter aufgenommen und wandert in den Darm. Dort dringt er dann durch die Darmwand in die Blutgefäße ein und wandert zur Weiterentwicklung und Eiablage zurück in den Darm. Die Eier werden über den Kot ausgeschieden und die Larven schlüpfen. Gesundheitliche Folgen sind Darmentzündungen, Durchblutungsstörungen bis hin zu Gerinseln in den Gefäßen, akute Koliken, Durchfall, Fieber und stumpfes Fell.

Lungenwürmer

Der Lungenwurm kommt sehr selten bei Pferden vor und wird meist in der gemeinsamen Haltung mit Eseln übertragen. Er ist ein bis zu 8 cm langer, dünner Wurm, dessen Eier über das Futter aufgenommen werden und über die Darmschleimhaut, durch die Blutgefäße in die Lunge gelangen, wo sie sich dann weiterentwickeln. Dort verursacht der nun ausgewachsene Wurm Husten, kommt dadurch in die Maulhöhle und wird wieder geschluckt. Im Darm legt er seine Eier ab, die mit dem Kot ausgeschieden werden und sich zu infektiösen Larven weiterentwickeln. Durch den Aufenthalt in der Lunge des Pferdes, verursacht der Wurm neben dem Husten auch Atemprobleme und es kann zur Lungenentzündung kommen.

Spulwürmer

Spulwürmer kommen in den meisten Fällen bei Fohlen vor. Sie können bis zu 40 cm lang werden und sind weißlich gefärbt. Aufgenommen werden auch hier die Larven durch das Futter. Im Magen entwickeln sie sich weiter, wandern durch die Magenschleimhaut in die Blutgefäße und gelangen so in Leber, Herz und Lungen. Aus den Lungen werden sie hochgehustet und wieder abgeschluckt. In Magen und Darm entwickeln sie sich zu Würmern, legen dort ihre Eier ab, welche nun über den Kot ausgeschieden werden. Neben Husten verursachen sie auch Atemnot, Entzündungen von Leber, Darm und Bauchfell mit Fieber und Abmagerung.

Pfriemenschwänze

Pfriemenschwänze sind sehr resistente Endoparasiten und ungefähr 3-5% aller Pferde in Deutschland sind davon befallen. Sie sind weiße, bis zu 10 cm lange Würmer, dessen Larven wieder über das Futter aufgenommen werden. In der Darmschleimhaut entwickeln sie sich zum Wurm und legen ihre Eier am Anus des Pferdes ab. Durch schubbern des Pos fallen die Eier ab und entwickeln sich weiter zur Larve. Sie können allerdings auch als lebende Würmer ausgeschieden werden. Durch das schubbern an der Schweifrübe werden Pfriemenschwänze oftmals mit Exzemen verwechselt. Regelmäßiges Waschen des Anus und des Schweifes ist unabdingbar. Weitere Symptome sind Unruhe, Futterverweigerung und Koliken.

Magendasseln

Magendasseln sind die bis zu 2 cm langen, rötlichen Larven der Dasselfliege. Die geldblich bis bräunlich gefärbten Eier werden im Fell des Pferdes, vor allem in der Mähne und im Behang, abgelegt und kleben dort fest. Diese müssen abgekämmt werden, denn sie verursachen einen Juckreiz und das Pferd versucht sie durch lecken abzubekommen. Durch die Feuchtigkeit schlüpft die Larve und gelangt über die Zunge in den Magen des Pferdes. Dort heftet sie sich mit ihren Mundhaken an der Magenschleimhaut fest, wodurch Entzündungen der Magenschleimhaut und Koliken ausgelöst werden können. Magendasseln können nicht durch eine Kotprobe nachgewiesen, sondern es muss eine Gastroskopie durchgeführt werden.

Bandwürmer

Die nächste Gruppe der Endoparasiten sind die Bandwürmer. Diese sind bis zu 20 cm lange, weiße Plattwürmer, dessen Larve über das Futter aufgenommen wird. Im Darm entwickelt sie sich innerhalb von 6-10 Wochen zum Wurm und setzt ihre Eier ab. Allerdings tut er dies nur in gewissen Abständen, wodurch nicht in jeder Kotprobe ein Bandwurm nachgewiesen werden kann. Dann werden Wurmteile mit Eiern oder einzelne Eier ausgeschieden. Das Pferd magert bei Befall langsam ab, es kann vermehrt zu Durchfall und Koliken kommen bis hin zum Darmwanddurchbruch oder Geschwürbildung.

Der Weg der Würmer

Resistenzen – was ist das und wie können sie sich entwickeln?

Eine Resistenz ist eine Widerstandsfähigkeit der Würmer gegen einen bestimmten Wirkstoff, welche entsteht, wenn dieser Wirkstoff über einen längeren Zeitraum immer wieder verabreicht wird auch wenn das Pferd gar nicht erkrankt ist. Die Würmer entwickeln sich weiter und werden sozusagen weitestgehend immun dagegen. Man kann sich das so vorstellen wie Antibiotikaresistenzen im Humanbereich. Wenn man z.B. eine Blasenentzündung hat und damit zum Arzt geht, bekommt man in der Regel ein Antibiotikum verschrieben, ohne dass vorher ein Antibiogramm angelegt wurde. Dann hofft man, dass dieses anschlägt und genau dadurch entstehen Resistenzen und es verstärkt die Resistenzlage zusätzlich.

Das entscheidende Problem dabei ist, dass da zu viel medizinische Unwissenheit hinter steckt. Deswegen sollte zuerst festgestellt werden, ob das Pferd wirklich von Würmern befallen ist und wenn ja, von welchen und ob dies gesundheitsbeeinträchtigend ist. Dann erst sollte die Entwurmung durchgeführt werden, dabei aber nicht auf irgendein willkürliches Präparat zurückgegriffen, sondern vorher geschaut werden, welches Präparat dafür am bekanntesten ist, dass es gegen diese Parasitenart wirkt und bei dem noch keine Resistenzen vorhanden sind. Anschließend sollte das Pferd erneut nach Würmern untersucht werden, um festzustellen, ob das Präparat die gewünschte Wirkung erzielt hat.

Wie kontrolliere ich mein Pferd auf Wurmbefall?

Dies ist abhängig von der Art des Endoparasiten. Spätestens wenn eines der oben genannten gesundheitsbeeinträchtigenden Symptome auftritt, sollte der Tierarzt gerufen werden. Andernfalls kann man auch schauen, ob man im Kot Eier, Larven oder Würmer sehen kann, was sich aber teilweise mit dem bloßen Auge als schwierig erweist. Eine Kotprobe bringt Sicherheit und sollte in regelmäßigen Abständen in ein tierärztliches Labor eingeschickt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass nur eine frische Probe von dem jeweiligen Tag genommen wird. Diese deckt den Großteil aller Endoparasiten ab. Ausgenommen sind dabei die großen Strongyliden, die sich nur durch eine Larvenanzucht herauskristallisieren lassen und die Magendasseln, die man nur durch eine Gastroskopie sehen kann. Achtung! Auch Bandwürmer sind nicht in jeder Kotprobe feststellbar! Aber wer kontinuierlich untersuchen lässt, wird, wenn Bandwürmer im Bestand vorhanden sind, einen Bandwurm finden. Übrigens: 25% aller Bestände in Deutschland sind nur Bandwurm-positiv.

Weiterhin solltest du beim regelmäßigen Putzen des Pferdes darauf acht geben, ob du Eier/Larven im Fell sehen kannst und diese schleunigst auskämmen. Vor allem der Behang und die Röhrbeine sind davon betroffen. Dies sind dann Hinweise auf Dassellarven.

Muss immer gleich der komplette Bestand entwurmt werden?

Nein, nicht bei jedem Endoparasiten. Dies gilt lediglich bei einem Befund von Bandwürmern und Magendasseln.

Warum nur bei den beiden? Grundsätzlich ist erstmal auf eine gesunde Weidehygiene zu achten. Wenn nämlich der Kot regelmäßig abgesammelt wird, können die anderen Endoparasiten nicht auf die Pferde übergehen. Anders ist das bei dem Bandwurm, denn der nutzt einen Zwischenwirt, um in den Pferdekörper zu gelangen. Meist ist das die Moosmilbe, welche im Boden lebt und beim Grasen von den Pferden aufgenommen wird.

Dasselfliegen setzen ihre Ei-Larven (die Magendasseln) an das Fell des Pferdes, wodurch sie, z.B. bei der Fellpflege, auch in das andere Pferd gelangen können. Der Feuchtigkeitsreiz lässt die Larven schlüpfen. Diesem kann man durch Befeuchten der betroffenen Stellen am Pferd mit einem Schwamm vorbeugen. So gelangen die Parasiten nicht in das Pferd.

Was machen Würmer mit dem Pferd?

Endoparasiten wollen sich, als oberstes Ziel, selber weiterentwickeln. Dafür suchen sie sich Wirte aus, was in diesem Fall das Pferd ist. Um sich weiterzuentwickeln brauchen sie Nahrung, d.h. sie „ernähren“ sich von dem Pferd. Nicht in der Form, dass sie das Tier auffressen, sondern sie nehmen ihm einen Teil der Nährstoffe aus dem Futter, nutzen ihn also sozusagen nur zu ihrem Vorteil aus. Dadurch bekommt das Pferd weniger Nährstoffe für seinen Stoffwechsel und magert bei starkem Wurmbefall sehr rasch ab.

Parasiten schwächen das Immunsystem ihres Wirtes, indem sie Entzündungen, allergische Reaktionen, Stoffwechsel- und Entwicklungsstörungen und Koliken hervorrufen. Gerade innere Parasiten können durch ihre Wanderung durch den Körper erhebliche Schädigungen der Organe verursachen, die oft auch zu bleibenden Schäden werden können oder erst zu spät entdeckt werden und nicht mehr therapiert werden können.

Würden die Würmer jedes Pferd im Bestand befallen und damit abtöten, dann würden sie sich ihrer Grundlage berauben. Deshalb ist meist nur ein Teil der Pferde befallen. Das kann man sich wie einen Kompromiss vorstellen, die die Würmer eingehen. Zum einen befallen sie dann nur die immunreduzierten Pferde und zum Anderen möchten sie sich aber massiv replizieren, deshalb gibt es immer so 20-30% im Bestand, in denen sich alle Würmer komprimieren, die anderen sind nahezu parasitenfrei. Nur wenn diese 20-30% wegsterben, würden die Endoparasiten natürlich auf die anderen übergehen.

Welche Wirkstoffe gibt es und wie wirken sie?

Pferde hatten schon immer mit Würmern zu tun und früher hat man versucht diese mit Kräutern zu bekämpfen. Erst 1965 kam das erste Entwurmungspräparat auf den Markt und zwar Benzimidazol in Pastenform. Nach und nach kamen mehr Wirkstoffe hinzu. In den 70er Jahren waren das die Pyrantele, in den 80ern Ivermectin und in den 90ern das Moxidectin. Heutzutage gibt es zig verschiedene Wurmkuren für Pferde und man ist schnell überfordert, welche man denn nun kaufen soll. Dazu sollten sich Pferdebesitzer einmal speziell mit den 4 genannten Wirkstoffen auseinandersetzen:

  • Benzimidazol
  • Pyrantel
  • Ivermectin
  • Moxidectin

Gebe ich nun meinem Pferd eine Wurmkur, bleibt die ja nicht ewig im Pferdekörper. Das strategische Entwurmen hat ja bisher immer bedeutet das Pferd 3-4x im Jahr zu entwurmen. Also gehe ich ja davon aus, dass das Präparat 3-4 Monate wirkt. Sei mal ehrlich, hast du dich damit schon einmal auseinandergesetzt? Nehmen wir mal Ivermectin. Das ist wohl das bekannteste Entwurmungspräparat.

Wie lange hält die Wirkung von Ivermectin bei Pferden an?

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Ich bin ganz ehrlich, vor meiner Recherche hätte ich 2-3 Monate gedacht, egal bei welchem Wirkstoff. Aber vor der Auflösung möchte ich noch eine Kleinigkeit erklären. Die Wirkungsdauer eines Wirkstoffes nennt man „egg-reappearance-period“ (ERP). Dies beschreibt die verkürzte Dauer zwischen der Behandlung mit diesem Wirkstoff und dem ersten Wiederauftreten der Wurmeier im Kot, sprich das Wiederausscheiden von Eiern.

Kommen wir nun zur Auflösung: Die ERP von

  • Benzimidazol beträgt 6 Wochen
  • Pyrantel beträgt 6 Wochen
  • Ivermectin beträgt 8 Wochen und
  • Moxidectin beträgt 12 Wochen.

Je nachdem, wie lange der Wirkstoff im Körper bleibt, muss natürlich auch entwurmt werden, um die gewollte Wirkung erzielen zu können. Dementsprechend muss mit Benzimidazol und Pyrantel 9x im Jahr, mit Ivermectin 7x und mit Moxidectin 5x im Jahr entwurmt werden, um das Pferd wurmfrei halten zu können. Dazu ist aber noch zu sagen, dass vor allem bei Benzimidazolen die Resistenzen schon sehr hoch sind und dies vorher unbedingt getestet werden sollte! Allein an der Wirkdauer der einzelnen Präparate kann man sehen, dass das strategische Entwurmen eigentlich schon immer unterdosiert war und das Pferd so gar nicht über das ganze Jahr hinweg wurmfrei sein kann.

Welche Wirkstoffe gegen welche Endoparasiten helfen, kannst du in dieser Tabelle nachlesen.

Wann sollte ich entwurmen?

Grundsätzlich kann man dazu sagen: dann wenn es nötig ist! Wie ich ja oben schon erklärt hatte, entstehen Resistenzen, wenn ein Wirkstoff in das Tier hereingepumpt wird, ohne dass man wirklich sicher ist, ob überhaupt ein Wurmbefall besteht und wenn ja welcher und ob das Präparat denn auch dagegen wirkt. Außerdem wirken Wurmkuren nicht vorbeugend, d.h. wenn das Pferd keinen Wurmbefall hat, aber irgendwann bekommt, müsste erneut entwurmt werden, um eine Wirkung zu erzielen.

Doch bei dem Thema scheiden sich die Geister. Es gibt 2 komplett verschiedene Strategien, was das Entwurmen unserer Pferde angeht und zwar ist das zum einen die „strategische Entwurmung“ und zum anderen die „zeitgemäß (+selektive) Entwurmung“. Worin sich diese beiden Entwurmungsarten unterscheiden, erkläre ich im folgenden Abschnitt.

Bei der Wurmkur solltest du immer darauf achten, dass du das Gewicht deines Pferdes einstellst. Hier sieht man, dass die Wurmkur auf ca. 500kg eingestellt ist.

Speziell um diesen Abschnitt des Artikels handelte mein Telefonat mit Herrn Dr. Marcus Menzel.

Strategische Entwurmung

Die strategische Entwurmung ist in den 70-80er Jahren entstanden. Zu dieser Zeit gab es sehr starke Probleme mit Koliken bei Pferden mit Todesfällen. Daran schuld waren die großen Strongyliden. 2 Forscher haben sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und in ihrer Arbeit herausgefunden, dass wenn 4x im Jahr entwurmt wird, die großen Strongyliden massiv zurückgingen.

In den 80er Jahren entstand dann ein Parasitenwechsel. Es gab schon viele Doktorarbeiten dazu, dass die großen Strongyliden gar kein Problem mehr waren und nur noch ca. 1% der Pferde damit befallen waren. Nun waren es die kleinen Strongyliden, die eine Bedrohung für die Pferde darstellten. Leider hat man zu der Zeit das Entwurmungsschema 4x jährlich zu entwurmen nicht auf die kleinen Strongyliden angepasst, obwohl man schon wusste, dass es nicht korrekt ist und individuell behandelt werden muss. Bis nahezu 2009 ist die Empfehlung überall gewesen „Du musst dein Pferd 4x im Jahr entwurmen“.

Und so entstand die strategische Entwurmung. Dabei werden die Pferde nach Plan mit unterschiedlichen Wirkstoffen, je nachdem welche Endoparasiten zu der Jahreszeit ihre Hochsaison haben, vorsorglich entwurmt und man geht davon aus, dass dieses Präparat das Richtige war und zu 100% gewirkt hat, ohne dass vorher oder nachher auf Parasiten kontrolliert wurde. In manchen Ställen sieht man sogar, dass die Vorschrift lautet, den gesamten Bestand einmal vor der Weidesaison und einmal vor dem ersten Frost gleichzeitig und mit demselben Wirkstoff zu entwurmen.

Wie oft entwurmst du dein Pferd?

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Zeitgemäß (+selektive) Entwurmung (ZSE)

Bei der zeitgemäß (+selektiven) Entwurmung gibt es ein striktes Regelwerk, welches auf der Doktorarbeit von Herrn Dr. Menzel basiert, die im Grunde der Ursprung ist. Dieses Regelwerk wurde mehr und mehr ausgearbeitet. Herr Dr. Menzel beprobt nun schon seit 10 Jahren Pferde und hat rund 15.000 Pferde europaweit unter Kontrolle. Oft wird nur von selektiver Entwurmung gesprochen, aber Achtung! Diese beinhaltet nur die Behandlung von Strongyliden. Deswegen sprechen wir hier von der zeitgemäß (+selektiven) Entwurmung, die zusätzlich auch alle anderen wichtigen Endoparasiten mitbetreut. Es gibt aber leider auch Tierärzte, die zwar Kotprobendiagnostik betreiben, sie dort aber keiner Anweisung nachgehen, wie zu welchem Zeitpunkt verfahren werden muss. Denn dabei gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen, was z.B. getan werden muss, wenn ein Befall mit Parasit XY vorliegt. In dem oben genannten Regelwerk ist z.B. beschrieben, wie oft Kotproben genommen werden müssen, wann entwurmt wird, dass nach der Entwurmung unbedingt nachbeprobt werden muss und ab wann ein Pferd der grünen bzw. roten Gruppe zugeteilt wird. Am besten lässt sich die ZSE anhand eines Beispiels erklären, wie sie mir Herr Dr. Menzel verdeutlicht hat:

Niedrigeiausscheider (grüne Gruppe)

Nehmen wir das erwachsene Pferd Emma. Bisher wurde Emma noch nicht für die ZSE vorstellig, also würde zum Kkennenlernen im 1. Jahr 4x eine Kotprobe genommen werden. Nun kann das Labor sehen, ob Emma ein gesundheitsbeeinträchtigendes Problem hat. Bei den Kotproben hat sich ergeben, dass Emma in allen nahezu keine Würmer hatte und wird somit als Niedrigeiausscheider und in die grüne Gruppe eingestuft. Darunter kommen die Pferde, bei denen davon ausgegangen werden kann, dass sie kein Problem in der Abwehr von Endoparasiten haben. Dazu gehören ca. 70-80% aller Pferde in Deutschland, d.h. fast 2/3 aller erwachsenen Pferde haben kein Problem und werden unnötigerweise entwurmt. Da kein Wurmbefall vorliegt, bekommt Emma nun auch keine Wurmkur. Zumindest nicht in der Zeit, in der die getesteten Werte den Grenzwert nicht überschreiten.

Im Folgejahr wird Emma dann 2-3x beprobt. Das ist davon abhängig, wie viele Pferde im gesamten Bestand sind. Da die Proben noch immer negativ ausfallen, bekommt sie auch hier wieder keine Wurmkuren und bleibt in der grünen Gruppe.

Ab dem dritten Jahr wird Emma nur noch 2x beprobt und das kontinuierlich, ihr Leben lang, außer es zeigen sich irgendwann erhöhte Werte, dann muss entwurmt und nachbeprobt werden. Neben Emma, haben wir in Beispiel 2 den Sam:

Hohe Eiausscheider (rote Gruppe)

Anders als bei der Emma, wurde bei Sam im 1. Jahr öfters nachgewiesen, dass die Werte erhöht sind. Somit steht fest, dass er sich immunologisch nicht gegen Endoparasiten wehren kann und dass sie nach Ende der Wurmkur nach einer gewissen Zeit wiederkommen. Er gilt demnach als gesundheitsbeeinträchtigt, weil es durch die Larvenwanderungsstadien im Pferd zu Organschäden kommen kann und er produziert zusätzlich durch die Ausscheidung dieser Endoparasiten im gesamten Bestand einen erhöhten Infektionsdruck. Deswegen sollte Sam als Problempferd identifziert, als hoher Eiausscheider eingestuft und der roten Gruppe zugeteilt werden. Dazu gehören ca. 20-30% der erwachsenen Pferde. Sam wird nun nach jeder Kotprobe mit erhöhten Werten entwurmt, um zu schauen, welcher Wirkstoff sehr gut funktioniert.

Im Folgejahr ist es nun so, dass nicht mehr beprobt wird, denn wir wissen ja, dass Sam ein Problem hat, sondern er wird dann kontinuierlich entwurmt. Kontinuierlich bedeutet nun aber nicht strategisch, also 4x jährlich! Die verschiedenen Wirkstoffe haben eine unterschiedliche Wirkdauer und damit muss sich nun der Pferdebesitzer auseinandersetzen. Weiß ich also, dass Sam z.B. gut auf Ivermectin anspricht, was ich ja im ersten Jahr herausgefunden habe, so teile ich die 52 Wochen des Jahres durch die Wirkungsdauer von Ivermectin, also durch 8 Wochen und somit muss ich Sam 7x im Jahr entwurmen, um ihn wurmfrei zu behalten. Leider ist es dann häufig so, dass Pferdebesitzer dieser Gruppe nicht dazu bereit sind, ihr Pferd so oft zu entwurmen. Und an dieser Stelle möchte ich Herr Dr. Menzel gerne zitieren: „Dies ist total konträr zu der Ursprünglichen Idee, wenn ich sage ich möchte wirklich die Pferde finden, die ein Problem haben und die auch entwurmen… Und da habe ich eine ganz klare Meinung und auch Erfahrung über viele Jahre hinweg: Wir, die ZSE betreiben, wollen chemische Wirkstoffe so wenig wie möglich einsetzen, sondern nur bei Pferden, bei denen es wirklich notwendig ist. Hier bei den Pferden in der roten Gruppe ist es notwendig und da wirkt bewiesener weise auch nichts anderes.“ Denn oft wird dann versucht mit Kräutern und homöopathischen Mitteln das Pferd zu entwurmen.

Nun kann man aber einen Kompromiss eingehen: Wenn Sam auch gut auf Moxidectin reagiert hat, kann auch dieser Wirkstoff genommen werden und somit muss er nur 5x im Jahr entwurmt werden. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das makrozyklische Lakton keine Resistenzen im jeweiligen Bestand hat. Doch warum müssen diese sogenannten hohen Eiausscheider überhaupt so massiv entwurmt werden? Die Antwort dazu hat sich aus Dr. Menzels Doktorarbeit ergeben: Wenn man hohe Eiausscheider behandelt, werden diese auch nicht mehr so hohe Mengen an Endoparasiten auf die Weide absetzen und somit werden die Pferde im Bestand auch nicht mehr so hohe Mengen an Larven aufnehmen können. Insgesamt wird damit also der Druck der Endoparasiten im gesamten Bestand gesenkt. Und genau aus diesem Grund ist es wichtig Sam kontinuierlich zu entwurmen, weil es nicht nur seiner Gesundheit, sondern auch der der anderen Pferde gut tut.

Jetzt sind wir im dritten Jahr bei Sam. Da wird er nur noch einmal beprobt, um zu schauen, ob der Wert gesunken ist und das vielleicht sogar so weit, dass er in die grüne Gruppe kann. Dies ist zwar bei manchen Pferden machbar, aber bei dem Großteil leider nicht. Und der Grund dafür ist, dass sich Würmer immer die immunschwachen Pferde aussuchen, die sich nicht von alleine gegen sie wehren können.

www.selektive-entwurmung.com

Wie werden die Grenzwerte ermittelt?

Im letzten Absatz habe ich von Grenzwerten gesprochen. Dies ist der Wert, ab dem ein Pferd, das von einem Endoparasiten befallen ist, als gesundheitsbeeinträchtigt gilt. Das ist von Parasit zu Parasit unterschiedlich, denn jedes Pferd hat einen gewissen Anteil Würmer in sich. Gemessen wird der Wert in Eiern/g Kot (EPG).

Bei den kleinen Strongyliden gilt ein Grenzwert von 200 EPG. Eine lange Zeit hat europaweit ein Wert von 500 EPG gegolten, allerdings wurde der Wert im Zuge der Doktorarbeit von Herrn Dr. Menzel auf 200 EPG runter gesetzt, da es in Deutschland unter anderem ein hohes Maß an Kritik an kotprobenbasierter Diagnostik gibt und es sein Anliegen ist, die immunschwachen Pferde zu behandeln, um somit den Infektionsdruck im Bestand zu senken. Ein Großteil der Pferde in der grünen Gruppe liegt bei einem Wert von 0-40 EPG, die Pferde, die über den Grenzwerten sind, liegen meistens deutlich drüber, etwa bei 800-3600 EPG. Ähnlich wie bei den kleinen Strongyliden, sind auch Spulwürmer erst ab einem Grenzwert von 20 EPG gesundheitsschädigend und es muss entwurmt werden. Bei den großen Strongyliden und den anderen Endoparasiten hingegen, gilt ein Pferd schon ab 1 gefundenen Ei als befallen und muss behandelt werden.

Wie viele Pferdebesitzer entwurmen schon zeitgemäß (+selektiv)?

Es gibt ca. 1,1 Millionen Pferde in Deutschland. Wenn man nur die Tierärzte und Praxen zählt, die ZSE nach Regelwerk machen, dann sind das ungefähr 10% der Pferde in Deutschland.

Gehörst du zu den 10%?

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Oft sind dies nur Einzeltiere eines gesamten Bestandes. Dies ist zwar machbar, es wäre allerdings ratsamer den kompletten Bestand oder zumindest die entsprechende Koppelgruppe zusammen zeitgemäß (+selektiv) zu entwurmen. Ist das Einzelpferd nämlich ein hoher Eiausscheider, kann nicht genau beurteilt werden, ob dieses Pferd tatsächlich ein Problem hat oder das Problem durch die anderen, blind oder vielleicht sogar falsch entwurmten Pferde kommt.

Ist die zeitgemäß (+selektive) Entwurmung auf Dauer günstiger?

Wenn es um das Wohl unserer Tiere geht, sollte man nicht unbedingt auf den Preis achten, sondern sich eher Gedanken darüber machen, was „besser“ ist. Dennoch finde ich interessant zu wissen, in wie weit sich die strategische Entwurmung vom Preis her zu der zeitgemäß (+selektiven) Entwurmung unterscheidet.

Wird Diagnostik betrieben, kann man nie unbedingt davon ausgehen, dass dies günstig sei, es ist allerdings auch nicht exorbitant teuer. Man muss sich nur mal Gedanken darüber machen, dass dort medizinisches Wissen und Beratung hinter steckt. Dabei sitzen Leute an Mikroskopen, die die Eier manuell zählen und dann klar sagen können, ob ein Bandwurm-, Spulwurm-, Strongyliden- etc. Befall vorliegt. Bei Herrn Dr. Menzel in der Praxis, wo genau diese Diagnostik betrieben wird, kostet z.B. eine McMaster Kotprobe 22€ und die Kennenlern-Kotprobe sogar nur 15€. Natürlich ist das dann aufs Jahr gerechnet teurer, als wenn ich mir im Internet 4x im Jahr eine Wurmkur aus dem Ausland für 5€ hole, was übrigens illegal und strafbar ist! Im Normalfall kostet eine Wurmkur, je nach enthaltenem Wirkstoff, zwischen 15€ und 50€. Allerdings muss man dann auf der anderen Seite auch sehen, dass wenn man sein Pferd blind entwurmt und sich wohlmöglich auch noch Resistenzen heranzüchtet, man unweigerlich mit seinem resistenten Pferd auf eine Kolik-OP oder ein organisches Problem zusteuert. Dies kostet dann schnell mal mehrere 1.000€ und das ist sehr viel teurer, als wenn man die Mehrkosten in Kotprobendiagnostik investiert.

Fazit

Es hat mir sehr viel Spaß gemacht für diesen voluminösen und umfangreichen Artikel zu recherchieren, dafür mit Herr Dr. Menzel zu telefonieren und ihn anschließend zu verfassen. Ich hatte mich zuvor noch nie so intensiv mit der Entwurmung bei Pferden auseinandergesetzt und Wango 2-3x im Jahr mit dem „derzeit angesagten“ Wirkstoff entwurmt. Nun bin ich froh darüber mich mit diesem Thema auseinandergesetzt zu haben und Wango damit vielleicht länger gesund zu erhalten und mir unnötige Mehrkosten zu ersparen. Denn für mich steht nun fest mein Pferd auch zeitgemäß (+selektiv) zu entwurmen. Ich habe bei meiner Recherche gelesen, dass es auch viele Gegner dieser Entwurmungsmethode gibt, aber ich denke man sollte sich immer erstmal selber ein Bild davon machen und es einmal ausprobieren.

Wieso entwurmen noch so viele Leute ihre Pferde blind? Ich denke, weil wir Angst davor haben etwas zu verändern bzw. vielleicht auch zu faul sind uns intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen. Teilweise hört man auf die Leute, die sagen „ich habe mal gehört/gelesen, dass zeitgemäß (+selektives) Entwurmen nicht so gut sei…“ und dann wird es nicht mehr gemacht oder erst gar nicht damit begonnen. Ich hoffe ich konnte euch mit meinem Artikel ein wenig zum Nachdenken bringen, denn Herr Dr. Menzel hat es bei mir definitiv geschafft und das, was er mir zu dem Thema gesagt hat und was ich für euch hier zusammengeschrieben habe, war nur ein kleiner Überriss von dem Ganzen. Wenn du dir unsicher bist, aber es gerne mal ausprobieren möchtest, dann versuch es doch einfach mal mit einer kennenlern-Kotprobe, um erstmal ein Gefühl dafür zu bekommen, ob diese Methode überhaupt was für dich/euch ist.

An dieser Stelle möchte ich noch mal betonen, dass dieser Artikel keine Werbung ist, aus keiner Zusammenarbeit entstanden ist und ich dafür auch nicht bezahlt werde. Herr Dr. Menzel hat mich lediglich mit seinen Argumenten überzeugt ZSE einmal auszuprobieren.

Wie steht ihr dazu? Wie entwurmt ihr eure Pferde? Macht gerne mal mit bei den Umfragen, denn mich würde dies sehr interessieren und euch sicherlich auch, wie die Mehrheit der Pferdebesitzer mit dem Thema Würmern umgeht. Hinterlasst auch gerne einen Kommentar zu dem Thema oder vielleicht habt ihr ja noch Ergänzungen oder Fragen? Ich würde mich sehr darüber freuen.

Eure Anna

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