Fütterung

Weidesaison – wie füttere ich mein Pferd richtig?

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Zum vorherigen Artikel: Pferde anweiden – so machst du es richtig

Die Pferdefütterung ist ein sehr komplexes Thema. Bei jeder Umstellung des Futters muss quasi alles neu „berechnet“ und immer wieder überprüft werden, um die Versorgung optimal zu gewährleisten. Zum Glück gibt es dafür Experten, die dich dazu beraten können. Ich gehöre leider nicht dazu, trotzdem habe ich mich aus gesundheitlichen Gründen meines Pferdes schon relativ lange mit der Fütterung speziell von Eiweißen im Weidegras auseinandergesetzt und möchte dich im heutigen Artikel ein bisschen dazu mitnehmen, wie du dein Pferd während der Weidesaison füttern könntest.

Wie viel Raufutter benötigt mein Pferd am Tag?

Nachdem du dein Pferd nun ordentlich angeweidet hast und es die meiste Zeit des Tages damit verbringt, draußen auf der Weide die Seele baumeln zu lassen, ist die gröbste Umstellung von Heu auf Gras überwunden. Auch wenn es deiner Fellnase gut geht, musst du jetzt daran denken, dass dein Pferd nicht mit Eiweißen über- und mit Mineralien und Spurenelementen unterversorgt wird, denn der Wechsel vom Raufutter im Winter auf das saftige Gras im Frühjahr bedeutet eine große Änderung der Nährstoffzufuhr für den Pferdeorganismus.

In der Weidesaison musst du bei der Fütterung berücksichtigen, dass ein Teil des Raufutters, was das Pferd benötigt, schon durch das Gras aufgenommen wird. Frisches Weidegras besteht zu 85% aus Wasser, die restlichen 15% gelten als Trockensubstanz, also als Raufutter. Nun ist es wichtig zu wissen welchen Bedarf dein Pferd an Raufutter pro Tag hat. Experten empfehlen ca. 1,5% des Körpergewichts des Pferdes. Dabei musst du bei Gras z.B. immer mit der Trockenmasse rechnen.

Beispiel:

Wango wiegt ca. 500kg. Also ist seine Tagesration Raufutter 7,5kg. Er steht täglich ca. 10 Stunden mit Fressbremse auf der Weide, d.h. er frisst nur halb so viel Gras pro Stunde wie ohne Fressbremse. In diesem Artikel habe ich bereits erwähnt, dass ein Pferd pro Stunde 3-4kg Gras frisst und habe bei Wango mit 3,5kg gerechnet. So nimmt Wango während der Weidezeit 17,5kg Gras auf, woraus sich 2,6kg Trockensubstanz ergeben.

Diese ziehe ich nun von den 7,5kg ab und weiß nun, dass Wango noch rund 5kg Heu zusätzlich benötigt, um den Raufutterbedarf zu decken.

Vergleich vom Eiweißgehalt im Weidegras und Heu

Und jetzt kommen wir zu dem Problem mit der Energie und dem Eiweiß… Weidegras enthält nämlich ca. 20% mehr Energie und ca. 35% mehr dünndarmverdauliches Eiweiß als Heu mit hervorragender Qualität. Außerdem ist vor allem frisches Gras auch reich an Zucker, hat dafür aber einen geringen Rohfaseranteil. Deshalb solltest du in jedem Fall Heu bzw. Stroh zufüttern.

Doch Weidegras ist nicht gleich Weidegras. Auch hier gibt es Unterschiede, vor allem im Eiweißgehalt. Hierbei musst du die 4 unterschiedlichen Weideperioden berücksichtigen, auf welchem Weidetypen dein Pferd steht, wie groß die Fläche ist und mit wie vielen Pferden sie bewirtschaftet wird und ob das Pferd zusätzliche Bewegung hat. Auch zu diesem Thema habe ich bereits die wichtigsten Punkte in diesem Artikel aufgegriffen. Deshalb nehme ich nun auch wieder die Werte aus dem Beispiel des 1. Artikels wobei ich mit 20g Eiweiß pro kg Gras gerechnet habe. Heu hingegen hat lediglich 7-10% pro kg.

Beispiel:

Da ich im obigen Beispiel vom Erhaltungsbedarf an Raufutter ausgegangen bin, bleibe ich bei diesem Beispiel dabei. Wango hat einen Erhaltungsbedarf von 53MJ. Demnach einen Eiweißbedarf von rund 320g. Oben habe ich ja bereits ausgerechnet, dass Wango etwa 17,5kg Gras am Tag frisst. Daraus ergeben sich bereits 350g Eiweiß. Jedoch fehlen dann noch die 5kg Raufutter, die ebenfalls noch mal 35-50g Eiweiß enthalten.

Damit sind wir schon 65-80g über dem Bedarf und ich muss kein Kraftfutter mehr dazu füttern, denn was das Gras schon enthält, muss nicht mehr über das Kraftfutter gegeben werden. Dazu gehört auch Zucker.

Dem jungen Gras fehlt es allerdings an Mineralstoffen und Spurenelementen. Gerade an Kalzium, Magnesium und Natrium mangelt es, aber auch Kupfer, Zink und Selen sind nur unzureichend vorhanden. Daher solltest du dein Pferd auf evtl. Mängel diesbezüglich testen lassen und das Mineralfutter zufüttern bzw. entsprechend dosieren. Dabei gilt „in Maßen und keinesfalls in Massen!“.

Wird das Pferd zusätzlich bewegt und benötigt Kraftfutter, so solltest du darauf achten, dass es zuckerarm und mit niedrigem Energie- und Eiweißniveau ist, dazu aber mit einem hohen Rohfaseranteil. Bei Kraftfutter solltest du darauf achten, dass du nicht mehr als 500g pro 100kg Körpergewicht des Pferdes pro Mahlzeit fütterst! Wango bekommt dann bei Bedarf das Agrobs LeichtGenuss zugefüttert.

www.agrobs.de

Fazit

Auf Grund der Rechnungen solltest du bei Weidegang keine zusätzlichen eiweißreichen Futtermittel wie Bierhefe oder Luzerne anbieten, allerdings solltest du auf jeden Fall Spurenelemente ergänzen. Welche genau deinem Pferd fehlen und in welchen Mengen, kann dir dein Tierarzt sicherlich sagen oder du lässt es z.B. bei VET-Bioresonanz überprüfen.

Ich möchte nochmal erwähnen, dass das alles nur theoretische Rechnungen sind und in der Praxis von Pferd zu Pferd individuell ist. Du kannst diese Werte allerdings als groben Richtwert nehmen. Wenn du aber ganz genau wissen willst, was dein Pferd benötigt bzw. was ihm fehlt, solltest du einen Futterexperten zu Rate holen.

Wenn du die Rechnungen nicht ganz nachvollziehen kannst, dann lies einfach den 1. Artikel der Weidereihe. Dort findest du weitere Formeln zur Berechnung des Eiweißbedarfs.

Anna

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3 Kommentare

  • Kristian

    Hallo Anna,

    herzlichen Dank für Deine sehr umfassende Antwort! Mit einem Heubedampfer wäre es natürlich prima, aber der Preis… Na ja.. Die alternative Lösung mit einer Regentonne finde ich super und werde sie definitiv testen. Dieser Rat ist wirklich Gold wert!

    Vielen Dank nochmals und einen schönen Start in die Woche!

    Liebe Grüße,
    Kristian

  • Kristian

    Hallo Anna,

    vielen dank für den tollen Artikel, sehr informativ! Hast Du vielleich Erfahrung mit Heulage? Ich habe gelesen, dass Heulage gut für Allergiker sein kann, suche aber alternative Erfahrungen.

    Ich freue mich auf Deine Antwort,

    LG

    • AnniUe

      Hallo Kristian,

      Das freut mich sehr, dass dir mein Artikel gefällt!
      Ich selber habe noch keine Heulage gefüttert, kenne aber Pferde, die dies fressen. Sie ist tatsächlich eine Alternative für Allergiker, wird aber nicht von allen Pferden gut angenommen. Teilweise reagieren Pferde mit Kotwasser bzw. Durchfall auf Heulage, da ihr Verdauungstrakt sehr sensibel ist. Es sollte auch unbedingt auf gute Qualität der Heulage (wie auch bei Heu) geachtet werden und nicht mehr verfüttert werden, wenn sie gegoren riecht oder gar Schimmel zu sehen ist.

      Mein Pferd ist zwar kein Allergiker, hatte aber mal Schimmelpilze in der Lunge. Da bin ich z.B. gut damit gefahren das Heu zu bedampfen. Entweder kauft man sich einen extra Heubedampfer für ca. 1000€ oder man nimmt einfach eine Regentonne mit Deckel, macht recht weit am Boden ein kleines Loch, in das man dann den Schlauch eines Dampf-Tapetenablösers steckt. Anschließend des Tapetenablöser einfach mit Wasser befüllen, Heusack in die Tonne, Deckel drauf und anmachen. Damit das Heu nicht im dreckigen, rausgesülten Wasser liegt, kann man alternativ noch ein Grillrost 5cm über dem Boden anbringen. Das ganze sollte dann mindestens 30 Min „kochen“ und dann ist das Heu weitestgehend staubfrei. Hat bei mir sehr gut geholfen! Vielleicht bringt dich das ja ein Stück weiter?

      Gruß Anna

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