Lektionen reiten

Übergänge – von hinten nach vorne reiten

Von Übergängen spricht man, wenn das Pferd in eine höhere oder niedrigere Gangart wechselt und auch innerhalb einer Gangart beim verlängern bzw. verkürzen der Schritte, Tritte oder Sprünge. Der Wechsel zwischen Lektionen wird ebenfalls als Übergang bezeichnet, den werde ich in diesem Artikel aber nicht weiter behandeln. Der Gangartwechsel gehört zur Basis der Grundausbildung eines jeden Pferdes. Von dem Reiter verlangen Übergänge eine geschulte Abstimmung zwischen Gewicht-, Schenkel- und Zügelhilfen.

Welche Übergänge gibt es?

Übergänge werden unterteilt in halbe, einfache und schwere Übergänge. Von halben Übergängen spricht man bei Tempowechseln innerhalb der jeweiligen Gangart. Im Schritt wären das der versammelte Schritt, Mittelschritt und der starke Schritt. Ebenso im Trab und Galopp.

Einfache Übergänge sind Gangartwechsel in die nächsthöhere bzw. niedrigere Gangart, also vom Schritt zum Trab und zurück und vom Trab zum Galopp und zurück. Sie haben eine lösende Wirkung und können daher sehr gut in der Lösungsphase der Reiteinheit eingesetzt werden. Außerdem fördern sie die Anlehnung.

Bei den schweren Übergängen werden beim Wechsel eine oder mehrere Gangarten übersprungen. Ein einfacher Galoppwechsel ist demnach ein schwerer Übergang. Ziemlich verwirrend oder? Aber auch das Antraben oder sogar Angaloppieren aus dem Halten sind schwere Übergänge. Alle Übergänge zum Halten wirken versammelnd. Je höher die Gangart ist, aus der das Pferd zum Halten kommen soll, desto mehr muss es sich versammeln.

Trainigsziel

Wie oben bereits erwähnt, erzielen Übergänge unterschiedliche Ergebnisse. Sie können demnach lösend oder versammeln auf das Pferd wirken. Weiterhin überprüfen sie, korrekt geritten, den Gehorsam des Pferdes, stärken die Muskulatur und fördern Balance und Durchlässigkeit. Demnach sind Übergänge Ausbildungsmittel und -ziel zugleich, denn das Ziel der Pferdeausbildung ist laut Skala der Ausbildung die Durchlässigkeit des Pferdes.

Die korrekte Hilfengebung für Übergänge

Ein Pferd wird IMMER von hinten nach vorne geritten! So auch die Übergänge. Die Hinterhand des Pferdes wird in den Übergang getrieben und nimmt dabei Last auf. Durch Gewicht- und ggf. Zügelhilfen wird der Wechsel der Gangart eingeleitet. Paraden spielen bei der Vorbereitung eine wichtige Rolle!

Stell dir beim parieren in eine niedrige Gangart vor, wie du diese Reitest und nicht, wie du dein Pferd hineinbremst. Deine intuitive Bewegung leitet dabei dein Pferd in die neue Gangart.

Eine Methode, die leider viel zu häufig praktiziert wird, ist das Ausbremsen des Pferdes durch Zügelzug. Dabei fällt das Pferd auf die Vorhand, verliert also die Balance und verkrampft im Rücken. Die Anlehnung geht flöten und es sieht nicht schön aus. Ein Zustand, den wir für die Gesunderhaltung unseres Reitpferdes nicht wollen.

Richtig wäre es das Pferd mit dem Becken auszubremsen und das Hinterbein dabei unter den Schwerpunkt zu treiben. So wird es auf die Hinterhand gesetzt und die Schulter des Pferdes wird frei. Ganz wichtiger Punkt: NACHGEBEN mit den Zügeln, sobald das Pferd die Gangart gewechselt hat!

Mögliche Probleme und ihre Lösungen

  1. Das Pferd reagiert beim Wechsel in eine höhere Gangart verzögert… Dies kann mehrere Ursachen haben. Zum einen könnte es durch dauerhaftes (falsches) Treiben bereits abgestumpft sein. Dann solltest du dein Pferd wieder auf die treibende Hilfe sensibilisieren. Oder du gibst zu früh, sprich vor dem Treiben, mit deinem Zügel nach. Dadurch verliert dein Pferd die Anlehnung und ist sich schlicht und einfach nicht sicher, was du gerade von ihm möchtest.
  2. Das Pferd macht beim/nach dem Übergang einen langen Hals oder hebt sich raus… Es kann wahrscheinlich seine Balance noch nicht gut halten und nutzt seinen Hals als „Balancierstange“ bzw. hebt sich wortwörtlich mit dem Hals in die höhere Gangart.
  3. Das Pferd rollt sich vor oder während des Übergangs ein… Entweder nutzt du den Zügel zu stark, z.B. wenn du dich daran festhältst und gibst nicht nach oder die Hinterhand deines Pferdes ist nicht aktiv, was meist eine Folge von zu starkem Zügelzug ist.
  4. Der Übergang vom Galopp zum Schritt geht nur über Trab… Die Hinterhand deines Pferdes wird noch nicht stark genug sein, um den Versammlungsgrad zu halten. Trotzdem ein Tipp: versammel es 2-3 Sprünge vor dem Übergang durch halbe Paraden und leite ihn in dem Moment ein, wo das Pferd die Einbeinstütze mit dem Hinterbein erreicht.
  5. Das Pferd lässt sich nicht in eine niedrigere Gangart parieren… Überprüfe deinen Sitz! Lehnt sich der Reiter beim parieren nach hinten, kommt er folglich mit der Hand ins ziehen und drückt gleichzeitig in den Rücken des Pferdes. Dieses möchte dem Druck nach vorne entfliehen.

Übungen zur Verbesserung der Übergänge

Jede Gangart spricht verschiedene Muskelgruppen an. Durch das Reiten vieler Übergänge, hat dein Pferd also viel Abwechslung im Training seiner Muskulatur. Lässt du es hingegen Runde um Runde in der gleichen Gangart drehen, wird immer nur eine bestimmt Muskelgruppe beansprucht. Diese ermüdet nach einer gewissen Zeit.

Kann dein Pferd keine 3 Runden taktrein auf dem Zirkel in alles 3 Gangarten laufen, solltest du es auch noch nicht mit zu vielen Übergängen überfordern! Hier fehlt noch die Balance.

Und im Folgenden habe ich 3 Reitübungen für dich, mit denen du die Übergänge verbessern kannst:

weitere Sinnvolle Reitübungen findest du hier!

Deine Anna

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