Besser reiten

Wie reite ich Paraden – einfach erklärt

Paraden gibt es in verschiedenen Ausführungen mit unterschiedlichen Zielen. Das lernen wir Reiter bereits in unseren ersten Unterrichtsstunden. Vielen Reitern/Reiterinnen wissen aber leider gar nicht, wie sie diese ausführe und was sie damit bewirken. So war das bei mir bis vor Kurzem auch noch… Fangen wir bei der Erklärung mit der meist gebrauchten und doch selten richtig ausgeführten halben Parade an.

Die halbe Parade

Die halbe Parade ist sozusagen unser „Allzweckwerkzeug“. Wir nutzen sie, um das Tempo innerhalb der Gangarzt zu verringern, in eine niedrigere Gangart zu wechseln, das Pferd aufmerksam zu machen, die Haltung und Anlehnung zu regulieren, Gleichgewicht zu fördern und Versammlung zu fordern. Ganz schön viel für eine scheinbar einfache Lektion.

Unter einer halben Parade wird das kurzzeitige Einschließen des Pferdes in die Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen des Reiters verstanden.

Richtlinien für Reiten und Fahren, FNverlag

Heißt also ich treibe mit Gewicht und Schenkel nach vorne und halte mit den Zügeln gegen die Vorwärtsbewegung, um das Pferd einzurahmen, richtig? FALSCH! Das Ziel einer halben Parade ist nicht das Ausbremsen mit den Zügeln. Wir arbeiten bei dieser „Lektion“ tatsächlich mit der Hinterhand des Pferdes, wobei die Hinterbeine dazu angeregt werden weiter unter den Schwerpunkt zu treten und vermehrt Last aufzunehmen. Positiver Nebeneffekt: Das Pferd wird durchlässiger.

Ich wage einfach mal zu behaupten, dass gut 90% aller Reiter bzw. Reitanfänger das Falsche unter halben Paraden verstehen und sie nicht korrekt praktizieren. Das Schlüsselwort für dieses falsche Verständnis ist „Einschließen“. Es ist zwar korrekt, dass eine halbe Parade ein Zusammenspiel aus diesen 3 Hilfen ist, allerdings werden sie nicht gleichzeitig gegeben, sondern zeitversetzt. Dabei kommt es auf die Intensität der verschiedenen Hilfen an.

Hilfengebung für halbe Paraden

Paraden sind kleine, kurze Impulse und kein Dauerzustand. In der Praxis sieht das so aus, dass du aus einem ausbalancierten Sitz heraus mit den Schenkeln treibst und gleich danach deine Hände kurz zu Fäusten machst und wieder loslässt. Bei jungen oder abgestumpften Pferden kannst du auch deine Hände kurz nach innen eindrehen, statt eine Faust zu machen. Diese Hilfengebung bewirkt, dass das Pferd einen treibenden Vorwärtsimpuls bekommt, der durch das folgende Abfangen mit den Zügeln in eine Gewichtsverlagerung auf die Hinterhand umgeleitet wird. Dabei darf die Zügelhilfe aber niemals stärker als die treibenden Hilfen sein, da sonst das Pferd auf die Vorhand fällt.

Man unterscheidet außerdem zwischen einseitigen und beidseitigen Zügelhilfen. Die einseitige Zügelhilfe gibst du, um das Pferd auf eine neue Aufgabe aufmerksam zu machen. Gibst du sie am rechten Zügel, folgt eine Lektion auf der rechten Seite und andersherum. Du kannst sie auch zum Abwenden nutzen, dabei wird die Parade immer am inneren Zügel gegeben. Möchtest du die Anlehnung/Haltung verändern, gibst du sie am äußeren Zügel. Der innere Zügel erhält dabei ggf. die Stellung.

Die beidseitige Zügelhilfe hingegen benutzt du, um das Tempo zu verlangsamen oder in eine niedrigere Gangart zu wechseln. Außerdem findet sie ihre Anwendung bei Pferden, die sich gerne auf den Zügel legen. Bei einem sehr fein ausgebildeten Pferd reicht hierfür, laut Eckart Meyners, auch das Einziehen des Bauchnabels. Dabei kippt das Becken nach hinten, die Oberschenkel werden angespannt und der Oberkörper geht leicht nach hinten. Die Hilfen werden also automatisch gegeben. Probiert es einfach mal aus. Bei mir und Wango hat es geklappt.

Die ganze Parade

Die ganze Parade führt immer zum Halten. Dabei bedeutet Halten aber nicht zwangsläufig zum Stillstand der Bewegung kommen. Bestes Beispiel dafür ist die Piaffe. Diese Lektion wird auf der Stelle ausgeführt, das Pferd befindet sich aber noch in der Trabbewegung. Ebenso beim Schulschritt und Schulgalopp. Ganz wichtig bei der ganzen Parade ist es, dass du nicht an den Zügeln ziehst, um das Pferd anzuhalten.

In der akademischen Reitkunst wird die ganze Parade noch unterteilt in

  • die Campagneparade, die eine Tempoänderung zur Folge hat (Piaffe)
  • die Schulparade, die als Aufforderung zur vermehrten Hankenbeugung dient (Versammlung)

Auf diese Arten von Paraden werde ich aber in einem anderen Artikel eingehen.

Hilfengebung für ganze Paraden

Die ganze Parade ist die Folge mehrerer halber Paraden, also einem Wechsel aus annehmen und nachgeben. je kürzer der „Bremsweg“ ist, desto durchlässiger ist auch das Pferd. Benötigt das Pferd also immer weniger Schritte zum Halten, ist es losgelassener.

Wie es bei den halben Paraden eine vereinfachte Hilfengebung durch Einziehen des Bauchnabels gibt, so geht das bei ganzen Paraden durch Ausatmen. Der Körper sackt dabei leicht zusammen, wodurch du deinen Schwerpunkt vermehrt auf die Gesäßknochen verlagerst und dein Oberkörper nach hinten kommt. Hierbei ist es allerdings auch wieder wichtig, dass das Pferd fein ausgebildet ist und auf kleinste Hilfen reagiert.


Praxisbeispiel für die Zügeleinwirkung

Nimm ein Gebiss in beide Hände und bitte eine andere Person sich mit den Zügeln in der Hand hinter dich auf einen aufgebockten Sattel zu setzen. Diese Person soll nun einmal die Faust schließen, dann die Hände nach innen eindrehen und anschließend leicht an den Zügeln ziehen. Hast du einen Unterschied gespürt?

Als nächstes soll die Person hinter dir einmal kurz den Bauch anspannen und beim nächsten mal tief ausatmen. Merkst du einen leichten Zügelzug?

Schreib deine Erfahrungen gerne in die Kommentare 🙂


Weitere Paraden

Die halbe und die ganze Parade sind in dieser Form die 2 bekanntesten und am häufigsten genutzten Arten von Paraden. Es gibt allerdings noch weitere Arten, die aus anderen Reitweisen stammen. Vielleicht lohnt es sich ja für den ein oder anderen von euch in dieser Region einmal über den Tellerrand zu schauen?

  • Die Dreiviertelparade verzögert das Pferd in der Bewegung, ohne dabei den Takt zu verlieren.
  • Die Viertelparade dient der Korrektur einzelner Wirbelabschnitte z.B. in der Biegung. Daher wird sie auch formgebende Parade genannt.
  • Die Achtelparade ist eine Vorbereitung zur eigentlichen Parade, wobei überprüft wird, ob alle Wirbel an Ort und Stelle sind, um die Parade durch den gesamten Pferdekörper fließen zu lassen. So kannst du auch nach leichten Verspannungen im Pferderücken „suchen“.
  • Arrêts sind die halben Paraden der Klassik. Dabei lässt man die Zügel Vibrieren bzw. zupft man mehr oder weniger stark mit beiden Händen gleichzeitig (nach oben). Sie findet ihre Anwendung sobald das Pferd in Selbsthaltung laufen kann und wird genutzt, um das Pferd in der Hand leicht zu machen und es daran zu erinnern sich nicht auf den Zügel zu legen.

Nun eine Frage an die Westernreiter unter euch: Gibt es beim Westernreiten Paraden? Wie werden sie gegeben und mit welchem Ziel? Schreibt eure Antworten gerne in die Kommentare und erweitert somit diesen Beitrag mit eurem Wissen.

Mein Pferd reagiert nicht auf Paraden

In diesem Fall ist dein Pferd entweder bereits abgestumpft oder es kennst bzw. versteht deine Hilfen nicht. Überdenke in diesem Fall als erstes deine Hilfengebung. Gibst du vielleicht Zügel- und Schenkelhilfen gleichzeitig? Oder verlangst du in diesem Moment vielleicht mehr von deinem Pferd, als es fähig ist auszuführen? Beginne die Hilfe noch einmal nach einer kurzen Pause. Wenn das Pferd sie dieses Mal korrekt ausführt, lag es vielleicht an diesem Timing.

Passiert noch immer nichts, solltest du dein Pferd sensibilisieren. Klopfst du evtl. beim Reiten mit deinem Schenkel, anstatt nur treibende Impulse zu geben? Oder hältst du stetig die Zügel fest, weshalb die Zügelhilfe nicht mehr durchkommt? Dann achte darauf nicht zu viel Gewicht in deiner Hand zu haben und öfter Mal locker zu lassen. Fange mit leichten Hilfen an und verstärke sie so weit, bis das Pferd auch nur ein klein wenig reagiert. Dann lobe es und wiederhole den Vorgang, bis es bereits auf kleinste Zeichen die gewünschte Regung zeigt.

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