Fütterung

Kräuter für Pferde – natürlich vorbeugen und behandeln

Wildpferde fressen täglich Gräser und Kräuter, die auf den Wiesen und Grasflächen wachsen. Unser Hauspferd bekommt stattdessen gezuckertes, melasse- und getreidereiches Müsli zum Frühstück und Abendbrot. So fehlt ihnen oft eine Vielzahl an wichtigen Nährstoffen und heilenden Pflanzenstoffen.

Der Trend entwickelt sich bei uns Pferdebesitzern jedoch immer weiter Richtung natürlicher Pferdefütterung. Die Auswahl an Kräutern steht unserem Pferd meist nur in getrockneter Form zur Verfügung, da in den seltensten Fällen die Weiden so kräuterreich sind wie in der Natur.

Was die Natur unseren Pferden gibt, kann ja nicht schaden oder? Doch wie weit sollten die Experimente und selbst erstellten Mischungen aus Einzelkräutern von uns gehen? Ab wann kann es vielleicht sogar gefährlich werden? Die Kräuterfütterung ist nämlich gar nicht so einfach…

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Fertige Mischungen statt Einzelkräuter

„Ein bisschen hiervon zur Immunabwehr, ein wenig davon gegen den Husten und noch eine Prise Jenes dazu, um den Durchfall zu reduzieren… Das kann nicht schaden, kommt ja aus der Natur!“

Doch wenn es aus der Natur kommt, muss es nicht gleich gesund sein. Auch wenn du dich beim Mixen der Kräuter daran hältst, was gut und was giftig für dein Pferd ist, kommt es auf die Mischung an. Werden Kräuter willkürlich zusammengeschmissen, können Wechselwirkungen entstehen. Sie heben sich entweder auf oder im schlimmsten Fall kehren sie sich um und statt eine positive Wirkung zu haben, sogar negativ auf den Organismus deines Pferdes auswirken.

Auch die Dosierung ist zu berücksichtigen, denn nicht alle Kräuter können in den gleichen Mengen verfüttert werden. Viele Kräuter wirken in einer geringen Dosierung gesundheitsfördernd, können aber in hohen Mengen im Pferdeorganismus großen Schaden anrichten.

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Aus diesen Gründen ist es ratsam auf die fertigen Kräutermischungen von Futterexperten zurückzugreifen. Diese stellen die Mischungen so her, dass sich die Wirkung der einzelnen Kräuter ergänzt und sogar verstärken kann. Beim Kauf dieser Kräutermischung solltest du auf jeden Fall darauf achten, dass die enthaltenen Kräuter, die Dosierung und auch die maximale Fütterungsdauer auf der Packung angegeben sind.

Fütterung, Dosierung und Wirkung

Meist ist die Dosierung in Gramm pro 100 kg Körpergewicht pro Tag angegeben. Es ist also wichtig, dass du das ungefähre Gewicht deines Pferdes kennst. Fütterst du deinem Pferd die Kräuter nicht täglich, darfst du auf keinen Fall die Dosis vom gestrigen Tag auf den heutigen aufrechnen! Manche Kräuter enthalten Stoffe, die in höherer Dosis giftig für das Pferd sein können. Meist fressen die Pferde das Futter dann auch gar nicht, da sie selber wissen, was giftig für sie ist (Achtung! Ausnahmen bestätigen die Regel).

Der Pferdekörper gewöhnt sich nach einer gewissen Zeit an die Wirkstoffe der Kräuter. Deshalb steht auf den Packungen der Mischungen meist eine Fütterung in Form einer Kur, die etwa 6-8 Wochen beträgt. Danach kommt eine Pause von ca. 2 Wochen. Da manche Kräuter aber erst nach einer gewissen Zeit ihre Wirkung entfalten, sollte die Dauer der Fütterung auch nicht zu kurz sein. Eine Dauergabe von bestimmten Kräutern ist zwar auch möglich, sollte aber unbedingt mit dem Tierarzt und/oder Futterexperten abgesprochen werden! Beim ersten Kontakt des Pferdes mit Kräutern, sollte es erstmal langsam mit einer geringeren Dosis an den Geschmack gewöhnt werden. Viele Pferde mistrauen dem Starken Eigengeruch von Kräutern, da sie ihn nicht kennen.

Oft ist die Wirkung von Kräutern auf den Pferdeorganismus nur aus menschlicher Erfahrung gesprochen. Wissenschaftlich ist es leider kaum untersucht und die Wirkung wurde von der auf den Menschen auf das Pferd übertragen. So auch bei den Nebenwirkungen. Allerdings wirken manche Kräuter bei Pferden anders als beim Menschen!

Verschiedene Kräuter und ihre Wirkung

Wie bereits erwähnt, gibt es nicht viele Studien, die die Wirkung von Kräutern bei Pferden belegen. Allerdings wurden in diesen wenigen Studien bei folgenden Kräutern durchaus positive Wirkungen bestätigt:

Anis

Anis wirkt schleim- und krampflösend und es reduziert den Blähbauch. Es werden ausschließlich die Früchte verwendet, die ätherische Öle, Fette und Flavonoide enthalten. Diese Flavonoide verbessern die Wirkung von Vitamin C und reduzieren den Verbrauch von Vitamin E. Anis findet seine Anwendung bei Bronchitis, verschleimten Atemwegen oder Verdauungsstörungen bzw. sogenannten Grasbäuchen.

Fenchel

Fenchel hat im Grunde genommen die gleiche Wirkung wie Anis, begünstigt zudem aber noch den Schleimauswurf bei z.B. einer Bronchitis. Auch hier werden nur die Früchte verwendet, die ebenfalls ätherische Öle, Fette und Flavonoide enthalten. Angewendet wird es bei (chronischen) Atemwegserkrankungen und Störungen des Verdauungssystems.

Ich gebe gerne Fenchel-Anis-Kümmel-Tee über das Futter oder Mash. Kümmel wirkt zusätzlich noch desinfizierend und durchblutungsfördernd. Allerdings ist seine Wirkung bei Pferden nicht 100%ig nachgewiesen.

Hagebutte

Die Hagebutte ist eine sehr vielseitige Frucht. Sie stärkt das Immunsystem vor allem bei erhöhter Infektionsgefahr, lindert Schmerzen und hemmt Entzündungen. Außerdem führt sie dem Pferde Vitamin B und C zu und enthält Flavonoide.  Gerade bei Gelenkserkrankungen wie Arthrose und Spat oder auch deren Vorbeugung findet sie ihre Anwendung.

Hanf

Hanf entfaltet seine Omega-3 und -6-Fettsäuren, Antioxidantien und Vitamine am Besten in Form eines Öls. Es wird bei Hauterkrankungen und allgemein Entzündungen angewendet. Dabei wirkt es entzündungshemmend, unterstützt aber auch das Herz-Kreislauf-System.

Knoblauch

Knoblauch kommt bei Pilz-, Viren- und Bakterien-Infektionen zum Einsatz. Neben wichtigen Mineralstoffen wie Kalzium, Eisen und Magnesium, enthält er auch die Spurenelemente Mangan, Zink und Jod. Außerdem enthalten sind die Vitamine A, B und C und Flavonoide. Diese ganzen positiven Eigenschaften stärken zusätzlich die Darmflora, wirken antibakteriell und dienen auch noch der Insektenabwehr.

Spirulinaalge

Die Spriulinaalge ist reich an Mineralien, Vitaminen und Aminosäuren und eignet sich vor allem im Sommer gut zur Stärkung des Mineralstoffgehalts von Haut und Fell gegen Sommerekzem. Außerdem unterstützt sie den Magen-Darm-Trakt bei der Umstellung auf Gras und stärkt das Immunsystem. Da die Spirulinaalge einen sehr hohen Proteingehalt hat (60-70% Eiweiß), unterstützt sie zudem auch den Muskelaufbau und –erhalt. Sie sollte aufgrund dessen jedoch nicht an übergewichtige und/oder Rehegefährdete Pferde verfüttert werden!

Süßholz

Süßholzwurzeln wirken durch die enthaltenen Flavonoide und ätherischen Öle antibakteriell, entzündungshemmend, schleimlösend, hustenreizend und auswurffördernd. Daher werden sie z.B. bei Reizungen der Atemwege oder chronischen Erkrankungen genutzt, wirken aber auch hervorragend gegen Magengeschwüre oder Reizungen der Magenschleimhaut.

Teufelskralle

Die Wurzeln der Teufelskralle sind recht bitter. Die enthaltenen Flavonoide wirken entzündungshemmend, schmerzlindernd und stärken den Magen-Darm-Trakt. Daher findet sie ihren Einsatz gerne bei Störungen des Stoffwechsels und/oder des Bewegungsapparates. Da sie auch appetitanregende Zimtsäure enthält, kann sie ebenso bei Appetitlosigkeit angewendet werden.

Thymian

Thymian enthält neben den Flavonoiden und ätherischen Ölen auch Gerbstoffe. Alle 3 Inhaltsstoffe zusammen wirken antibakteriell, entzündungshemmend und krampflösend. Daher wird er gerne bei Entzündungen der oberen Atemwege und Verdauungsstörungen (leichten Koliken) angewendet.

Ysop

Ysopkraut wird zu einem Tee aufgebrüht und abgekühlt verabreicht. Dadurch entfalten sich die entzündungshemmenden und antibakteriellen ätherischen Öle, Bitterstoffe und Gerbstoffe, die der Stärkung der Atemwege und des Magen-Darm-Traktes dienen.

Diese 10 Kräuter haben alle eine ähnliche Wirkung und können in geringem Maße miteinander kombiniert werden. Allerdings NICHT ALLE 10 auf einmal! Erkundigt euch bitte trotzdem vor dem Mixen bei einem Experten. Im Downloadbereich habe ich euch auch eine kleine Tabelle den 10 genannten Kräutern mit ihren Wirkungen in der Pferdefütterung zusammengestellt. Diese könnt ihr euch als PDF runterladen.

Fazit

Richtig eingesetzt können die Inhaltsstoffe der verschiedenen Kräuter das Pferd positiv beeinflussen. Dies betrifft unter anderem die Gesundheit und Fitness, sowie auch das allgemeine Wohlbefinden. In unerfahrenen Händen können sie allerdings erheblichen Schaden im Pferdekörper anrichten! Daher würde ich vor dem Füttern verschiedenster Kräuter die Auswahl, Dosierung und Dauer der Gabe immer mit einem Tierarzt und/oder einem Ernährungsexperten für Pferde abstimmen.

Kräuter unterstützen lediglich die Heilung einer Erkrankung oder beugen diese vor. Bei ernsthaften Erkrankungen und Verletzungen sollte sowieso immer ein Tierarzt gerufen und korrekte Medikamente verabreicht werden!

Entscheidest du dich dafür deine Kräuter selber zusammenzumischen, dann achte darauf, dass du nur Kräuter mit einer gleichen bzw. ähnlichen Wirkung aussuchst und dann die Tagesdosis der einzelnen Kräuter so reduzierst, dass du die Gesamt-Tagesdosis nicht überschreitest. Kräuter mit ausgezeichneter Qualität findest du z.B. bei Krauterie.de.

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