Ausbildung & Reiten,  Rund ums Pferd

Sicher und entspannt ausreiten – so klappt´s

Ein entspannter Ausritt in die Natur tut sowohl der Reiter- als auch der Pferdeseele gut. Zumindest bei guter Vorbereitung, Respekt den anderen Verkehrsteilnehmern gegenüber und der korrekten Ausrüstung. Worauf du Acht geben musst und was du sonst noch alles vor einem Ausritt bedenken musst, erfährst du in meinem heutigen Artikel.

Wo darf ich reiten?

Allgemein gilt erst einmal „Überall, wo es nicht ausdrücklich verboten ist“. Verboten ist es laut §28 Abs. 2 StVO auf Fuß- oder Radwegen, da ein Pferd-Reiter-Paar als Fahrzeug gilt. Daher obliegen sie auch der Straßenverkehrsordnung. Allerdings variiert das von Bundesland zu Bundesland und auch teilweise in den verschiedenen Gemeinden. Um da auf der sicheren Seite zu sein, informiere dich am besten bei deiner Gemeinde/Landkreis/Stadt. Teilweise gibt es speziell gekennzeichnete Reitwege.

Worauf du aber auf jeden Fall bei einem Ausritt achten musst ist, dass dein Pferd keine Flurschäden anrichtet. Darunter zählen Felder, Wälder, landwirtschaftlich genutzte Wiesen, Gärten und Parks. Ausnahme: Stoppelfelder. Diese bieten sich super zum Galoppieren an und die Hufabdrücke können keinen Schaden anrichten, da die Felder sowieso noch umgepflügt werden. Bringe aber lieber vorher in Erfahrung welchem Bauern das Feld gehört und frage höflich, ob du darauf reiten darfst.

In manchen Bundesländern ist es sogar vorgeschrieben ein gelbes Kennzeichen mit einer gültigen Reitplakette gut sichtbar beidseitig am Zaumzeug zu befestigen, wenn man im Wald und in der freien Landschaft auf privaten Straßen und Wegen reitet. Diese kannst du z.B. bei der örtlichen Naturschutzbehörde beantragen.

Vorbereitung auf den ersten Ausritt

Um mit deinem Pferd entspannt ausreiten gehen zu können, musst du es natürlich erstmal an die ungewohnte Umgebung, die neuen Geräusche und evtl. Monster gewöhnen. Dafür brauchst du ein wenig Geduld, denn Pferde lernen ortsgebunden. Gegenstände und Geräusche, die auf dem Platz keine Probleme bereiten, können nun also im Gelände für das Tier eine große Gefahr sein. Reitest du z.B. auf dem Platz und nebenan im Gebüsch raschelt es, bleibt dein Pferd völlig cool. Im Gelände hingegen könnte dieses kleine Rascheln in einem fremden Gebüsch schon eine Herausforderung sein. Deshalb darfst du auch nicht mit der Einstellung „Hoffentlich kommen wir wieder heile zu Hause an“ an die Sache rangehen, denn dein Pferd merkt deine Nervosität. Leider ist es meist so, dass die größte Angst tatsächlich oben drauf sitzt und sie dies dann auf das Pferd überträgt.

Jeder fängt klein an

Ich habe mit Wango damals so begonnen, dass ich ihn im Gelände geführt und gucken lassen habe. Zu jedem Gegenstand, wovor er Angst hatte, sind wir hingegangen, bis das passieren für ihn kein Problem mehr war. Wie ich ja oben bereits geschrieben habe, lernen Pferde ortsgebunden. Also sind wir anfangs oft die gleichen Wege gegangen. Für den ersten Ritt, habe ich mir ein erfahrenes Führpferd mit erfahrener Reiterin mitgenommen, die Wango gut kennt und wir sind genau den Weg gegangen, den ich zuvor geübt habe. Natürlich erstmal im Schritt. Die ersten Runden im Gelände sollten auch leichte Wege ohne Sprünge und großen Unebenheiten sein, da es schon genug Eindrücke für das Pferd sind.

Später sind wir dann neue Wege auch mit unebenerem Boden, immer noch mit Führpferd, gegangen. Sobald ich gemerkt habe, dass Wango von Beginn an entspannt ins Gelände gegangen ist, kamen dann auch Trab- und Galoppreprisen hinzu. Auch hier wieder darauf achten, dass der Boden vorerst nicht zu uneben ist und die Strecke größtenteils gerade, sodass dein Pferd sich nicht überfordert fühlt.

Seid ihr nun entspannt im Gelände und hat sich das Pferd an die unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten in jeder Gangart gewöhnt, kann es auch mal alleine raus gehen. Ich würde dazu raten zu Beginn erstmal kleinere bekannte Runden zu gehen und sich nach und nach zu steigern. Ganz wichtig beim Lernen ist: Loben, Loben, Loben!! Und nicht zu vergessen: Nicht jedes Pferd ist gleich, d.h. es gibt keinen korrekten Plan, wie du dein Pferd auf den ersten Ausritt vorbereitest.

Wann Habe ich Versicherungsschutz?

Das ist tatsächlich je nach Versicherung unterschiedlich. Aber als oberste Regel sollte gelten: „Safety first“!

Die Ausrüstung des Pferdes

Die meisten Versicherungen greifen im Falle eines Unfalls nur, wenn das Pferd ein Zaumzeug mit Gebiss drauf hatte. Teilweise wurde der Versicherungsschutz aber auch schon auf Gebisslose Zäumungen erweitert.

Ich habe z.B. die Tierhalter-Haftpflichtversicherung bei der Gothaer. Dort steht geschrieben: „Mitversichert ist die gesetzliche Haftpflicht auch beim Reiten oder Führen ohne Zaumzeug, ohne Trense und/oder ohne Sattel.“ Allerdings steht dort nicht geschrieben, ob dies nur auf der Anlage oder auch im Gelände gilt, von daher wäre ich bei solchen Formulierungen immer etwas vorsichtig und würde zumindest mit Trense ausreiten.

Die Ausrüstung des Reiters

Ebenso ist es auch bei der Ausrüstung des Reiters. Stürzt der Reiter und trägt keinen Helm, zahlt die Versicherung in den meisten Fällen nicht, denn die entstandene Verletzung hätte vielleicht durch das Tragen eines Helmes verhindert werden können. Wer ganz auf der sicheren Seite sein will, der trägt auch noch einen Rückenprotektor/Schutzweste, denn dadurch können Schäden an der Wirbelsäule verhindert werden.

Ich selber reite NUR mit Helm, egal ob in der Halle, auf dem Platz oder im Gelände. Mein Pferd hat beim Ausritt grundsätzlich einen Sattel und eine Trense mit Gebiss drauf. Selbst bei dem ruhigsten und liebsten Pferd ist das meist die richtige Entscheidung.

Reiten auf der Straße

Oft müssen im Gelände Straßen überquert werden oder sogar ein Stück an einer stark befahrenen Straße entlanggeritten werden. Wie ich bereits geschrieben habe, gilt man als Reiter als Fahrzeug und darf die Fuß- und Radwege nicht nutzen. Logische Konsequenz: Man muss auf der Straße reiten. Doch auch da muss man sich an die Verkehrsregeln halten. Wichtig zu beachten ist §28 Abs. 1 StVO, welcher besagt, dass Pferde, sofern sie den Verkehr gefährden könnten auf öffentlichen Straßen nicht erlaubt sind. Eine Ausnahme von diesem Grundsatz gilt lediglich dann, wenn das Pferd von einer geeigneten Person begleitet wird, die ausreichend auf das Tier einwirken kann. Pferd und Reiter müssen also entsprechend ausgebildet sein, um am Straßenverkehr teilnehmen zu dürfen.

Wie gewöhne ich mein Pferd an den Straßenverkehr?

Um ein Pferd an vorbeifahrende Autos gewöhnen zu können, muss es mit welchen konfrontiert werden. Das kann man schon im Stall beginnen, indem ich das Pferd z.B. auf eine Weide an einer befahrenen Straße stelle. So lernt es schon mal die Geräusche von Autos, LKWs und Motorrädern kennen.

Habe ich „zu Hause“ nicht die Möglichkeit dazu, muss ich zwingenderweise auf die Straße. Dazu am besten wieder zu zweit mit einem routinierten Pferd ausreiten gehen. An der Straße kann dieses dann das unerfahrene Pferd vom Verkehr abschirmen, indem mal nebeneinander reitet und das erfahrene Pferd links. So kann auch verhindert werden, dass das unsichere Pferd auf die Straße springt. Wichtig auch: Geben sie den Autofahrern rechtzeitig Handzeichen, dass diese langsam passieren sollen.

Die Straße überqueren

Muss eine Straße überquert werden, stelle dich gut sichtbar an den Straßenrand und nicht direkt hinter einer Kurve. So können die Autofahrer dich nicht sehen und du siehst auch nicht, ob ein Auto kommt. Ist eine Lücke im Verkehr, überquerst du zügig die Straße.

Reitet ihr zu zweit oder in einer Gruppe aus, ist es wichtig, dass ihr gemeinsam die Straße überquert. Wartet also eine Lücke ab, die groß genug ist, dass alle Reiter über die Straße kommen. Steht ein Reiter auf der einen Seite und einer noch auf der anderen, kann es passieren, dass die Pferde durch den Herdentrieb zueinander wollen und einfach über die Straße laufen.

Entlang einer Straße reiten

Vorhin habe ich ja bereits erwähnt, dass Pferde als Fahrzeuge gelten, sich also auf der Straße bewegen müssen. Das bedeutet, dass du rechts am Straßenrand reitest, an roten Ampeln anhältst, die Vorfahrtsregeln beachtest und die Abbiegespuren nutzt. Zum Abbiegen am besten Handzeichen geben wie beim Fahrradfahren. Ist eine durchgezogene Linie am Straßenrand und daneben noch Platz, so reitest du rechts von der Linie, um den Autos das Vorbeifahren zu erleichtern.

Seid ihr in der Gruppe unterwegs, so dürfen laut §27 StVO max. 6 Reiter hintereinander reiten und 2 nebeneinander. Also dürft ihr max. 12 Reiter in einem Block sein. Eine nach größere Gruppe muss sich in 2 Blöcke aufsplitten und ein mind. 40m lange Lücke dazwischen lassen, damit die Autofahrer gefahrenlos überholen können.

Alleine oder in der Gruppe?

Gehst du alleine ausreiten hast du den Vorteil, dass du dich nur auf dein Pferd einstellen musst und die Gangarten so bestimmen kannst, wie du es möchtest und kannst. Ebenso kannst du für dich eine geeignete Strecke auswählen. Ein großer Nachteil ist allerdings, dass du im Falle eines Sturzes nicht sofort Hilfe bekommst bzw. vielleicht nicht in der Lage bist selber Hilfe zu rufen. Daher ist es ratsam dein Handy immer bei dir zu tragen, damit du jemanden anrufen kannst. Ich sage meist jemandem Bescheid wann ich ausreite und auch, dass ich wieder gut angekommen bin. Du kannst dieser Person auch deinen Standort freigeben, damit du gefunden werden kannst.

Reitet ihr in einer Gruppe aus, müsst ihr immer Rücksicht auf das schwächste Glied der Gruppe nehmen. Egal, ob es dabei um das Tempo oder die Kondition des Pferdes geht. Was während des Ausritts ein No-Go ist, wenn ihr eine längere Strecke reiten wollt, als das schwächste Pferd schafft und ihr diesen Reiter z.B. alleine wieder heim schickt. Das wäre gefährlich und respektlos!

Allerdings habt ihr in der Gruppe den Vorteil, dass immer sofort Hilfe vor Ort ist bzw. geholt werden kann. Und man hat einfach mehr Spaß, da man z.B. ein bisschen quatschen kann.

Gefahren im Sommer und Winter sowie bei Dunkelheit

Egal zu welcher Jahreszeit du ausreiten gehst, es hat immer seine Vor- und Nachteile. Wichtig zu merken: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung! Ich persönlich bin allerdings ein Schönwetter-Ausreiter. Ich mag keinen Wind und keinen Regen und wenn es zu kalt ist, fange ich schnell an zu frieren, egal was ich an habe…

Sommer

Der Sommer überzeugt uns Reiter mit seinem strahlenden Sonnenschein. Doch er bringt auch einige „Gefahren“ mit sich. Die Temperaturen können unausstehlich heiß werden, was auch bei den Pferden zu Überhitzung führen kann. Das wäre bei einem Ausritt sehr unvorteilhaft. Daher plane die Routen bei heißen Temperaturen lieber etwas kürzer und bleibe im Schritt. Was auch hilfreich sein kann, ist zu einem See oder Bach zu reiten, um euch abzukühlen und das Pferd trinken zu lassen. Großer Nachteil dabei: Die Bremsen.

Bremsen findet man häufig in Waldgebieten und in der Nähe von Gewässern. Sie verhindern das Entspannen von Pferd und Reiter, weil man nur noch mit dem Verscheuchen der Biester beschäftigt ist. Für Pferde ist das purer Stress. Mit einer Fliegenausreitdecke oder Fliegenspray kann dem Abhilfe geschaffen werden. Die Vorteile der Decke sind, dass sie nicht so streng riecht, der Schutz nicht irgendwann nachlässt und sie auf die Dauer gesehen günstiger ist. Gerade wenn das Pferd anfängt zu schwitzen, lässt die Wirkung eines Fliegensprays gerne mal nach.

Winter

Im Winter ist es meist sehr kalt und der Zwiebellook verhindert ein anständiges Bewegen. Abhilfe schaffen Thermoreithosen bzw. Thermounterwäsche. Da es bei uns in der Region noch selten schneit, muss man sich darum keine Gedanken mehr machen, allerdings regnet es dafür. Doch auch für Regen gibt es geeignete Ausreitkleidung. Um das Sattelzeug zu schützen, habe ich eine Regenausreitdecke ohne Sattelausschnitt. Nachteil: Das Wasser sammelt sich in der Sitzfläche… Gefriert der Regen über Nacht im Winter, so gibt es den nächsten Tag Glatteis. Kein schöner Untergrund zum Laufen und auch verdammt gefährlich. Nicht selten kommt das Pferd bei dem Wetter ins Rutschen und kann sich dabei schnell mal die Knochen zertrümmern. Oder die des Reiters…

Reiten bei Dunkelheit

Den Winter nennt man nicht umsonst „die dunkle Jahreszeit“, denn meist ist es spätestens um 17 Uhr dunkel. Gerade so die Zeit, wo man von der Schule oder der Arbeit kommt und den Tag beim Pferd mit einem Ausritt ausklingen lassen möchte. Dabei möchte man natürlich von den Autofahrern und den Jägern nicht übersehen werden. Auch dafür gibt es die passende Kleidung für Pferd und Reiter. Dafür gibt es bestimmte Vorschriften: Pferde müssen durch eine nicht blendende weiße Leuchte nach vorne und eine rote nach hinten kenntlich gemacht werden. Diese Leuchten gibt es in Form einer Stiefellampe, die am linken Reitstiefel befestigt werden muss. Außerdem hat der Reiter eine reflektierende Warnweste zu tragen. Dafür eignen sich z.B. die Warnwesten aus dem Auto. Des Weiteren gibt es haufenweise Reflexionsartikel für das Pferd. Angefangen von Hufglocken und Gamaschen, über Satteldecken und Ausreitdecken bis hin zu Reflexionsstreifen für Trense und Schweif. Ich würde dir zumindest die Gamaschen empfehlen, damit man euch auch eindeutig aus Pferd-Reiter-Paar erkennen kann.

Fazit

Ausritte sind was Schönes und in den meisten Fällen Entspannung pur für Pferd und Reiter, wenn ihr euch an bestimmte Regeln haltet. Wichtig ist den Autofahrern, Radfahrern, Fußgängern und auch euren Mitreitern gegenüber respektvoll zu sein. Macht z.B. innerorts die Hinterlassenschaften eurer Pferde weg und grüßt eure Mitmenschen, wenn ihr im Schritt an ihnen vorbeireitet.

Noch ein kleiner Tipp: Nimm dir einen Hufkratzer mit ins Gelände, falls sich dein Pferd mal einen Stein eintritt, der das Laufen erschwert. Und damit wünsche ich dir nun ganz viel Spaß mit deinem Pferd im Gelände!

Deine Anna

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