Gesundheit

Phlegmone – was ist ein Einschuss?

Tochter: „Mama, mein Pferd hat einen Einschuss. Habe gerade schon den Tierarzt angerufen. Kannst du uns bitte zur Hilfe kommen?“
Mutter: „Bitte was? Wer schießt denn unser Pferd an? Wart ihr im Wald unterwegs? War das etwa ein Jäger? Das gibt´s doch gar nicht…“

Wer hat sich mit diesem Beispiel gerade angesprochen gefühlt? Dann ist dieser Beitrag genau das Richtige für dich! Unter einem „Einschuss“ in der Pferdesprache, oder auch „Phlegmone“ genannt, versteht man nämlich keine Schusswunde, sondern eine gefährliche Entzündung. Was es damit genau auf sich hat, wie er entsteht und was du dagegen tun kannst, erkläre ich dir im Folgenden.

Wie entsteht ein Einschuss?

Noch einmal zurück zur Erklärung: Ein Einschuss wird durch Eiterbakterien hervorgerufen, die eine eitrige Entzündung in der Unterhaut, dem Bindegewebe und sogar den Lymphgefäßen auslösen. Sie treten durch offene Wunden in den Körper ein. Meist sind es hier die nicht blutenden Wunden, da das Blut die Bakterien heraus spült. Es kann demnach vor allem bei Stichen oder kleinen Kratzern auftreten, aber auch Hauterkrankungen wie Mauke oder Ekzem können der Auslöser sein. In diesen Fällen gilt demnach nicht nur die Symptombehandlung, sondern ebenso die Ursachenforschung und -beseitigung!

Sobald sich die Wunde geschlossen hat, entsteht das perfekte Milieu für die Bakterien. Sie fressen sich nun durch bis zum Bindegewebe und breiten sich im gesamten umliegenden Bereich innerhalb kürzester Zeit aus. Dadurch entsteht Eiter, der ja nun nicht mehr durch eine offene Wunde austreten kann. Dieser sucht sich dann den Weg durch die Haut des Pferdes. Bei Nichtbehandlung kann sich aus einem Einschuss sogar eine Blutvergiftung entwickeln und das betroffene Gewebe nimmt großen Schaden! Vor allem bei Pferden mit einem (stark) geschwächten Immunsystem treten diese schwereren Verläufe auf.

Wie erkenne ich ihn frühzeitig?

Oftmals ist die Hinterhand des Pferdes betroffen. Das liegt daran, dass sie am weitesten vom Herzen entfernt ist, wodurch die Blutzirkulation schwächer ist und die Gewebeflüssigkeit träger abtransportiert wird. Aber auch die Vorhand, der Kopf und Widerrist sind gelegentlich betroffen. Dort entstehen bei einem Einschuss starke Schwellungen die meist auch sehr heiß und schmerzempfindlich sind. Die ursprüngliche Größe der Eintrittswunde spielt bei dem Schweregrad der Entzündung keine Rolle. Viel mehr kommt es auf die Tiefe der Entzündung an und in welchem Stadium die Behandlung begonnen wurde bzw. wie lange sie bereits besteht.

Folgende Symptome treten neben der Schwellung je nach Stadium zusätzlich auf:

  • Lahmheit der entsprechenden Gliedmaße
  • Eiteraustritt aus der Haut
  • Appetitlosigkeit und apathisches Verhalten
  • Hitzeentwicklung bis hin zu hohem Fieber

Wie kann ich einen Einschuss behandeln?

Die erst Maßnahme, die du umgehend machen solltest, wenn du siehst, dass dein Pferd ein dickes Bein hat, ist die vermeintliche Ursache zu suchen und den Tierarzt informieren! Mit einem Einschuss sollte man nicht scherzen und wird häufig sogar als Notfall deklariert. Hast du die Wunde gefunden, so kannst du sie schon einmal auswaschen und desinfizieren. Der Tierarzt wird dann wahrscheinlich einen Anguss-/Stützverband anlegen. Lass dies auch bitte erfahrene Hände machen und lege den Verband nicht selber an! Alternativ wird auch gerne mit Heilerde gearbeitet und die komplette Schwellung damit abgedeckt. Zusätzlich solltest du abklären, ob die Tetanusimpfung deines Pferdes noch aktuell ist und ggf. nach impfen lassen.

Der Heilungsprozess bzw. die Zeit in der die Schwellung zurück gehen sollte, beträgt in der Regel 2-3 Tage, sofern die Behandlung frühzeitig eingeleitet wurde. Ich würde auf keinen Fall Boxenruhe empfehlen! Zwar sollte das Pferd nicht normal bewegt werden, wenn es Anzeichen einer Lahmheit und Schlimmeres zeigt, allerdings fördert Bewegung den Abtransport der entzündlichen Gewebeflüssigkeit. Das Pferd sollte jedoch von der Herde getrennt werden, um erneute Verletzungen oder bakterielle Übertragungen zu vermeiden.

Wie kann ich vorbeugen?

Das A und O ist eine ordentliche Stallhygiene! Die Box sollte unbedingt täglich sauber gehalten und auch Paddock und Weide müssen regelmäßig abgesammelt werden. Ansonsten solltest du bereits kleine Wunden fachgerecht versorgen, d.h. auswaschen und desinfizieren. Ich reibe sie dazu täglich mit Wund- und Heilsalbe ein.

Hatte dein Pferd schon einmal einen Einschuss? Wie schnell hast du es gemerkt und wie wurde es behandelt? Schreibe doch gerne mal deine Erfahrungen in die Kommentare.

Deine Anna

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