Haltung & Pflege,  Rund ums Pferd

Pferde anweiden – so machst du es richtig

Zum vorherigen Artikel: Ein grasendes Pferd ist ein glueckliches Pferd

Im Frühjahr sind die Pferde schon ganz verrückt nach dem saftigen grün auf den Weiden schon bevor die Weidesaison überhaupt beginnt. Doch einfach draufstellen und uneingeschränkt fressen lassen kann tödlich für die Tiere enden. Daher musst du klug an die Sache herangehen und folgende Maßnahmen beachten.

Anweiden, aber nicht zu früh

Das junge Gras hat einen hohen Eiweiß- und Fruktangehalt. Da ist äußerste Vorsicht geboten, denn bleiben unsere Vierbeiner zu früh zu lange auf der Weide, kann es zu einem Eiweißüberschuss kommen. Dadurch werden Leber und Nieren stark belastet und es kann schnell zu Übergewicht kommen. Fruktane können nicht aufgeschlossen werden und führen daher zur Freisetzung von Giftstoffen, die z.B. Hufrehe auslösen können. Helfen kann auch die Gabe von Ergänzungsfuttermitteln, die die entstandenen Toxine binden.

Deshalb ist es wichtig dein Pferd kontrolliert anzuweiden. Dies kannst du bei einem gesunden Pferd innerhalb von 2-3 Wochen machen, besser sind aber 4 Wochen. Die ersten Tage kannst du dein Pferd am Strick auf einer Grasfläche halten. Wenn du die Weidezeit Stück für Stück verlängerst, kann es auch frei laufen. Dabei empfiehlt sich mit ca. 10 Minuten zu beginnen und den Weideaufenthalt täglich 10-15 Minuten zu steigern.

Wichtig ist, dass du dein Pferd beim Anweiden täglich auf die Weide lässt, da das Pferd, um das frische Gras zu verdauen, spezielle Bakterien im Darm besitzt, die durch die Heufütterung über Winter nur noch in geringer Zahl vorhanden sind. Diese Anzahl der Bakterien muss langsam wieder gesteigert werden und das geschieht nur, durch kontinuierliches Anweiden. Ansonsten erhöht sich das Risiko von Kotwasser, Durchfall und Koliken.

Pferde mit Stoffwechselerkrankungen

Vorsicht bei Pferden mit EMS, Cushing, Sommerekzem, instabiler Darmflora und Hufrehe! Diese reagieren sehr empfindlich auf Fruktane und sollten daher nur bei fruktanarmer Witterung auf die Weide. Auch dann nur für begrenzte Zeit bzw. mit Fressbremse. Wann die Weide einen geringen Fruktangehalt hat erfährst du hier.

Meist weidet man solche Pferde erst ab Ende Juni an, denn da nimmt der Rohfasergehalt zu und die Nährstoffdichte ab. Dieses Gras bekommt den Pferden also besser. Empfehlenswert ist auch das Zufüttern von Stroh, da dieses einen sehr geringen Nährstoffgehalt hat.

Stoffwechselerkrankte Pferde weidest du am besten an, indem du den täglichen Weidegang um 5-10 Minuten steigerst und das Pferd nach kalten Nächten unter 5°C erst nachmittags auf die Weide lässt. Ist es extrem heiß und trocken, solltest du die Weidezeit um ca. die Hälfte verringern.

Was tun bei Kotwasser und Durchfall?

Gras ist nicht gleich Gras. Der Verdauungstrakt unseres Pferdes ist auf das sogenannte Steppengras, welches reich an Rohfaser und sehr energiearm ist, ausgelegt. Das Gras, was sie zu fressen bekommen hingegen, ist so gezüchtet, dass es viel Energie liefert. Daher ist das Verdauungssystem unserer Pferde mit dem Gras überfordert und es entstehen Blähungen, Kotwasser und Durchfall.

Entwickelt dein Pferd im Laufe des Anweidens eines dieser Verdauunsentgleisungen, geht der Anweidevorgang zu schnell. Was du jetzt tun solltest ist einen Schritt zurück zu gehen und dein Pferd nicht so lange auf die Weide stellen oder eine Fressbremse drauf zu machen. Außerdem kannst du den Verdauungstrakt durch Zusatzfutter, Mineralien und Kräutern unterstützen. Ganz wichtig ist die zusätzliche Gabe von Heu und Stroh, egal, ob das Pferd 24h auf der Weide steht oder über Nacht in der Box. Je schlimmer der Durchfall, desto mehr Heu solltest du deinem Pferd geben.

Momentan habe ich den AS Fressregulator

6 Tipps zum Anweiden

  • Langsames anweiden

Lass dir Zeit beim Anweiden, damit dein Pferd sich auf das frische Gras einstellen kann. Beginne mit ca. 10 Minuten und steigere den Weideaufenthalt täglich um 10-15 Minuten.

  • Weidegang am Nachmittag

Morgens ist der Zucker- und Fruktangehalt des Grases am höchsten, vor allem nach kalten Nächten. Daher beginne am besten nachmittags mit dem Anweiden, wenn der Morgentau aubgetrocknet ist.

  • Vor dem Weidegang Heu füttern

Stellst du dein Pferd mit leerem Magen auf die Weide, wird es sich den Bauch mit dem frischen Gras ohne Pause vollschlagen. Fütterst du vor dem Weidegang Heu, so wird das Pferd nach der Weide nicht aufgebläht sein, da es bereits ein wenig gesättigt war.

  • Vor dem Weidegang bewegen

Kommen Pferde auf die Weide, toben sie sich meist erstmal aus. Um Verletzungen von Sehnen, Bändern und Gelenken vorzubeugen bzw. das Verletzungsrisiko zu verringern, solltest du dein Pferd bewegen, bevor du es auf die Weide stellst.

  • Weidehygiene wahren

Du solltest deine Weide sauber halten, um z.B. Fliegen nicht noch unnötig anzulocken und das Risiko eines Wurmbefalls der Pferde und die Übertragung von Würmern zu verringern. Mehr dazu findest du hier.

  • Kotwasser und Durchfall

Bekommt dein Pferd Kotwasser und/oder Durchfall während des Anweidens, solltest du mit der Weidezeit zurückgehen und über eine Zufütterung von toxinbindendem Zusatzfutter nachdenken.

Fazit

Da es nicht in vielen Ställen üblich ist, dass die Pferde ganzjährig auf der Weide bleiben können, musst du dir quasi einen Plan machen, wann du mit deinem Pferd beginnst es anzuweiden. In dem Stall, wo Wango steht, muss sich z.B. jeder Pferdebesitzer selber um den Anweidevorgang kümmern.

Wichtig ist für dich einfach, dass du darauf achtest, wie es deinem Pferd geht und darauf Rücksicht nimmst. Sonst kann es unter schweren Folgen leiden.

Wie weidest du dein Pferd an und wann beginnst du damit? Bei uns ist es üblich, dass Anfang bis Mitte Mai die Weiden öffnen. Ich bin gespannt auf deine Variante und Erfahrungen.

Deine Anna

Weiterführender Artikel: Weidesaison – wie füttere ich mein Pferd richtig?

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