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Sattelvergleich – Dressursattel vs. Fellsattel

Mein Pferd besitzt derzeit 2 komplett verschiedene Sättel, die ich seit Jahren ausgiebig getestet habe und sie nun in den Kategorien Handling und Gefühl beim Reiten, wie läuft das Pferd und Nutzungsmöglichkeiten, Vor- und Nachteile. Bei den beiden Kandidaten handelt es sich um die Sattelmodelle Prestige Dressursattel Milano und den Christ Lammfellsattel Iberica Plus. Was meint ihr, welcher in den einzelnen Kategorien und im Gesamtergebnis besser abschneidet? Lasset den Sattelvergleich beginnen!

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Grunddaten

Den Prestige Milano habe ich 2014 speziell für Wango anfertigen lassen. Ich habe nach einem Sattel gesucht, den ich auf ein Pferd mit kurzem, geraden Rücken legen kann und bin bei diesem Modell hängen geblieben. Durch seine französischen Keilkissen ist er besonders kurz und für mich hat eine Sitzgröße von 16″ vollkommen gereicht. Das Kopfeisen ist individuell vom Sattler anpassbar. Durch die spezielle V-Gurtung wird ein Verrutschen des Sattels verhindert, was gerade bei Ponys mit wenig Widerrist von Vorteil ist. Sie gewährleistet auch ein gleichmäßiges Aufliegen der Sattelkissen und somit eine ausgeglichene Druckverteilung. Der Milano besitzt recht große Pauschen, die nicht ausgewechselt werden können. Da es sich hier um einen Dressursattel handelt, wird mit einem Kurzgurt gegurtet. Die Oberfläche ist sehr schlicht gehalten und aus glattem, schwarzen Leder. Er besitzt keine Befestigungsmöglichkeit für einen Schweifriemen und keine Halteschlaufe am Vorderzwiesel. Ich habe für diesen Sattel damals etwa 2000€ gezahlt.

Den Iberica Plus habe ich mir 2016 als Übergangslösung angeschafft, wenn der Dressursattel z.B. beim Sattler ist und gerade nicht passt. Auf Grund des kurzen Rückens meines Pferdes und meiner Körpergröße, hat für uns das Modell in Ponygröße ausgereicht. Dieser Fellsattel besteht komplett aus Lammfell und besitzt keinen Sattelbaum. Die Unterseite im Rückenbereich ist zusätzlich mit Lammfell gepolstert und es können noch zusätzliche Polster eingesetzt werden. Der Fellsattel ist im Spanischen Stil gehalten und die Galerien im vorderen und hinteren Bereich rahmen den Reiter optimal ein. Auch dieser Sattel besitzt lange Gurtstrippen und wird demnach mit einem Kurzgurt verschnallt. Optional können Steigbügelriemen in die D-Ringe am Ansatz der Gurtstrumpfen eingeschnallt werden. Außerdem besitzt er einen Ringt zum Einschnallen eines Schweifriemens und einen Halteriemen oberhalb des Widerrists. Für den Iberica Plus habe ich knapp 500€ gezahlt.

Handling und Gefühl beim Reiten

Beim Satteln ist bereits auffällig, dass der Iberica Plus deutlich leichter ist, als der Milano. Das Gurten funktioniert bei beiden sehr gut. Zum Aufsteigen benötigt man bei dem Iberica Plus eine Aufsteighilfe, da er einem teilweise entgegen rutscht, wenn man über den Steigbügel aufsteigt. Da dieser Sattel aber eher ohne Steigbügel geritten werden sollte, ist eine Aufteighilfe unerlässlich.

Das Sitzgefühl ist im erstem Moment bei beiden sehr angenehm, wobei man auf dem Iberica Plus fast wie auf einem Sofa sitzt. Man hat durch die aufgesetzten Galerien ein sehr sicheres Gefühl, auch wenn man ohne Steigbügel reitet. Der Milano ermöglicht dem Reiter einen tiefen Sitz, wodurch man das Gefühl hat sehr nah am Pferd zu sitzen. Die Sitzfläche ist angenehm gepolstert.

Um einen guten Reitersitz zu haben, sollten bei dem Milano die Steigbügel relativ lang eingestellt sein, da sonst die großen Pauschen an den Knien drücken. Sind die Steigbügel auf der richtigen Länge, so geben die Pauschen allerdings einen sehr sicheren Halt im Sattel und die Beine liegen gut und ruhig am Pferd an. Anders ist das bei dem Iberica Plus, bei dem die Steigbügelaufhängung ziemlich weit vorne angebracht ist. Dadurch rutscht man als Reiter schnell in den Stuhlsitz und das Leichttraben wird erschwert. Das Bein liegt nicht so schön am Pferdebauch an und die Schnallen der Steigbügelriemen drücken ein wenig an den Oberschenkeln.

Reitet man mit dem Iberica Plus, so bekommt man ein sehr schönes Feedback, was der Pferderücken tut. Drückt das Pferd den Rücken hoch, wo fühlt man sich, als würde man auf einem Berg sitzen. Das hat man bei dem Milano durch den Sattelbaum nicht so stark. Gurtet man beim Reiten nicht regelmäßig nach, gibt es bei dem Iberica Plus ein etwas schwammiges Gefühl bei engeren Wendungen und auch im Galopp. Der Milano bleibt trotzdem an Ort und Stelle. Das Nachgurten an sich ist bei dem Milano, im Gegensatz zum Iberica Plus, problemlos von oben machbar, ohne sich großartig auf dem Pferd verrenken zu müssen.

Wie läuft das Pferd?

Mir ist tatsächlich ein kleiner Unterschied zwischen den beiden Sattelmodellen aufgefallen, der unter anderem Wangos Motivation und Lauffreudigkeit betrifft. Dazu ist noch zu sagen, dass ich den Milano regelmäßig vom Sattler kontrollieren lasse und er das Pferd nicht drückt bzw. in der Bewegung beeinträchtigt.

Reite ich mit dem Milano, muss ich meine reiterlichen Hilfen deutlich geben und teilweise unterstützend die Gerte anlegen. Der Galopp ist etwas schwerfälliger und hat eine geringere bergauftendenz. So weit ich das von oben beurteilen kann, sind die Gänge im allgemeinen etwas zurückhaltender und nicht so raumgreifend, wie bei dem Iberica Plus. Allerdings verzeiht der Sattel kleinere Sitzfehler, die nicht zum Pferd durchdringen.

Habe ich den Iberica Plus auf dem Pferd, findet Wango schneller zur Losgelassenheit und kaut mehr. Zum Abwenden reichen kleine Gewichtshilfen, wodurch der Reiter allerdings einen sehr ausbalancierten Sitz haben muss. Gerade im Trab und Galopp merkt man eine vermehrte Rückentätigkeit, was mich besser sitzen lässt. Im Allgemeinen fühlen sich die Gänge freier an, als unter dem Milano.

Nutzungsmöglichkeiten, Vor- und Nachteile

Fangen wir wieder mit dem Milano an. Ein Vorteil ist definitiv der Baum, durch den das Reitergewicht optimal auf die komplette Auflagefläche des Sattels verteilt wird und der Sattel nicht nach vorne oder hinten rutscht. Durch die kurzen Kissen, regt der Sattel nicht zu weit auf den hinteren Teil des Pferderückens und verursacht keine Druckstellen etc. Damit er immer vernünftig passt, muss er allerdings regelmäßig von einem Sattler kontrolliert werden, da sich der Pferdekörper im Laufe der Ausbildung stark ändern kann. Der tiefe Sitz und die großen Pauschen halten auch den Reiter an seinem Platz, allerdings schränken sie auch die Bewegungsfreiheit der Beine ein wenig ein. Aufgrund dieser Tatsachen, ist der Milano sehr gut für Anfänger geeignet und natürlich für Dressurreiter, die keine Ambitionen zum Springen haben. Geländetauglich und für entspannte Ausritte ist er durch sein Gefühl von Sicherheit ebenfalls, so lange man keine langen Strecken im schnellen Galopp reiten möchte.

Die größten Vorteile des Iberica Plus sind sein sehr hoher Sitzkomfort und die Nähe zum Pferd, wodurch der Reiter ein tolles Gefühl für sein Pferd vermittelt wird. Er muss nicht angepasst und kann für nahezu jedes Pferd genutzt werden. Aber das baumlose Reiten hat nicht nur Vorteile, denn es kann keine Gewichtsverteilung gewährleistet werden, wodurch das Pferd vermehrt punktuellen Druck im Rücken spürt. Dies macht ihn zwar als Übergangslösung zu einem perfekten Sattel, nicht aber für das tägliche Reiten. Außerdem wird das Reiten ohne Steigbügel empfohlen, da die Aufhängung nicht zum optimalen Reitersitz beiträgt und sowohl den Reiter, als auch das Pferd drückt. Ich würde den Iberica Plus auf einem sensiblen Pferd ungerne für Anfänger empfehlen, da jeder Sitzfehler auf das Pferd übertragen wird. Um einen chilligen Ausritt ins Gelände zu machen, kann ich ihn nur wärmstens empfehlen. Gerade, wenn der Ausritt mal etwas länger dauert, hat man hinterher keine Schmerzen in seinen 4 Buchstaben 😉

Überblick

KategoriePrestige MilanoIberica plus
ArtDressursattelFellsattel
MaterialLederLammfell
GurtungKurzgurtKurzgurt
Preis2000€500€
SitzkomfortAngenehm gepolsterte Sitzfläche bei tiefem Sitz, das Bein wird durch die Pausche gut gehaltenSehr weicher, angenehmer Sitz, der auch ohne Steigbügel viel Sicherheit gibt, Steigbügelriemen drücken leicht am Oberschenkel und die Aufhängung ist zu weit vorne
Verrutschen des Sattelsbleibt auch ohne ständiges Nachgurten an Ort und StelleRutscht bei Wendungen und im Galopp leicht, wenn nicht nachgegurtet wurde
Rückentätigkeit des PferdesDurch den Baum bekommt man nicht so ein reelles Feedback über Anspannung, Schwung etc. des PferdesMan merkt jede Anspannung und das Hochdrücken des Rückens vom Pferd
HilfengebungSchenkelhilfen können sehr präzise gesetzt werden, Gewichtshilfen müssen deutlich gegeben werdenReiten nur durch feine Gewichtshilfen möglich
Vorteilegute Gewichtsverteilung des Reiters und stabiler Sitzkann ohne Anpassung für jedes Pferd genutzt werden und hat einen hohen Sitzkomfort
Nachteileeingeschränkte Bewegungsfreiheit des Reiters und regelmäßige Kontrolle vom SattlerPunktuelle Belastung durch Gesäßknochen und eingeschränkte Nutzung der Steigbügel
EignungReitanfänger und Dressurreiter ohne Springambitionen, Ausrittefortgeschrittene Reiter und ruhige Geländeritte

Ich reite mit beiden Sätteln sehr gerne und variiere je nach Schwerpunkt bzw. worauf ich gerade Lust habe. Ein bisschen lieber habe ich den Iberica Plus, da ich das Gefühl habe Wango läuft lieber unter diesem Sattel. Allerdings kann ich in dem Milano, gerade bei der Dressurarbeit, besser sitzen und ich muss mich nicht permanent auf meinen Sitz konzentrieren und wundern, wieso Wango Dinge macht, die ich nicht verlange… Ich denke er ist manchmal überfordert mit den deutlichen Gewichtshilfen, die der Iberica Plus zulässt. Alles in Allem bin ich aber mit beiden Sätteln sehr zufrieden und kann sie besonders für kurze, kräftige Pferde und kleine Reiter:innen sehr empfehlen!

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