Haltung & Pflege

Die Anatomie des Pferdes – Das Exterieur

Gerade bei Pferdekäufen fallen oft die Wörter Exterieur und Interieur. Aber was versteht man eigentlich darunter? Im heutigen Teil werde ich euch kurz erklären, was das Exterieur des Pferdes ist und was es für eine Rolle für das Pferd spielt.

Was versteht man unter Exterieur?

Als Exterieur bezeichnet man sozusagen die äußeren Merkmale, also den Körperbau des Pferdes. Dieser soll in sich harmonisch wirken und gemeinsam mit dem Interieur wird damit die sogenannte „Verwendbarkeit“ des Pferdes ermittelt bzw. festgelegt. Also zu welcher Reitsparte man es am besten zuordnet. Dies ist natürlich auch rassebedingt und jede Reitweise bevorzugt ein anderes Exterieur.

Das Gegenteil vom Exterieur ist das Interieur, also die inneren Merkmale des Pferdes. Dazu schreibe ich aber noch einen separaten Blogartikel, weil es sonst hier den Rahmen sprengen würde.

Ein Pferd mit perfektem Exterieur ist sehr selten. Allerdings kann man diese sogenannten Gebäudefehler meist durch korrektes und gezieltes Training oder entsprechenden Beschlag ausgleichen.

Das Exterieur wird in drei Kategorien unterteilt

Kategorie 1: Die Vorhand

Dazu gehören:

  • Kopf
  • Hals
  • Schulter
  • Brust
  • Vorderbeine
Pferdekopf
Beschreibung des Exterieurs vom Pferdekopf

Der optimale Kopf eines Pferdes sollte eine klare Textur haben, das heißt die Knochen sollten klar erkennbar sein. Die Augen sollten klar sein und, genau wie die Ohren aufmerksam. Breite Ganaschen mit viel Ganaschenfreiheit sind wichtig, um einen beweglichen und freien Halsansatz zu garantieren. Natürlich gibt es rassebedingt auch verschiedene Kopfformen, die jeder für sich als „schön“ deuten kann.

Der Hals ist bestenfalls mittellang und erstreckt sich aus einer breiten Schulter etwa mittig angesetzt, leicht gewölbt nach oben. Aber wie schon erwähnt ist es reitweisenabhängig, wo der Hals am besten angesetzt sein sollte. Im Barockreiten wird z.B. ein hoher Halsansatz bevorzug, das wirkt edler. Wobei die Westernreiter gerne tiefe Halsansätze sehen.

Durch die Schrägstellung der Schulter wird der Raumgriff und die Bewegungsfreiheit des Pferdes bestimmt. Ist die Schulter sehr steil, so hat das Pferd keinen großen Raumgriff. Hier wird gerne eine leicht abgeschrägte Schulter mit viel Ellbogenfreiheit gesehen.

Die Vorderbeine sollte etwa Schulterbreit senkrecht zum Boden stehen. Bei den Fesseln ist es nun wieder von der Reitweise abhängig, wie hart diese sein sollte. Springpferde mit zu weichen Fesseln werden z.B. relativ schnell aus dem Sport verschwinden…

Kategorie 2: die Mittelhand

Dazu gehören

  • Widerrist
  • Rücken
  • Rumpf
Exterieur
Beschreibung des Exterieurs des Pferdekörpers

Fangen wir mit dem Widerrist an. Er sollte recht ausgeprägt sein, denn dies gewährleistet eine gute Bewegungsmechanik. Außerdem ist es gut, wenn er mindestens genauso hoch liegt wie die Kruppe, denn so sitzt der Sattel besser und kann nicht nach vorne rutschen.

Der Rücken und der Rumpf (Bauch) bilden quasi eine Brücke zwischen Vorhand und Hinterhand und genau so sollte man sie auch behandeln. Sie müssen gestärkt werden, damit sie genügend Tragkraft entwickeln können. Pferde sind, wohl bekannt, nicht zum Reiten erschaffen worden, also muss man sie durch Training zum Reitpferd machen. Die Optimalität der Rückenlänge ist wieder von Reitweise zu Reitweise unterschiedlich. Im Barockreiten werden kurze, kompakte Pferde bevorzugt. Sogenannte Quadratpferde, bei denen der Rücken (Von Widerrist bis Schweifansatz) ca. genauso lang ist wie das Pferd hoch. In der Dressur werden Rechteckpferde, also Pferde mit langem Rücken, bevorzugt, da man sie unter anderem besser sitzen kann.

Kategorie 3: die Hinterhand

Dazu gehören

  • Kruppe
  • Hinterteil
  • Hinterbeine
Rückansicht Pferd
Rückansicht des Pferdes

Die Hinterhand wird auch als „Motor“ des Pferdes bezeichnet. Sie sollte gut bemuskelt sein, denn bestenfalls entlastet sie mit ihrer Tragkraft die Vorhand (Ausbildungsskala). Die Kruppe sollte dabei recht lang und mäßig abgeschrägt sein. Hüfte und Oberschenkel, sowie auch Oberschenkel und Unterschenkel sollten rechtwinklig zueinander stehen. Das Becken ist optimal, wenn die beiden höchsten Punkte der Kruppe waagerecht und gleichhoch sind.

Genau wie die Vorderbeine, sollten auch die Hinterbeine gerade und etwa hüftbreit auf dem Boden stehen. Damit die Gliedmaßen harmonisch wirken, sollten jeweils Unterarm bzw. Unterschenkel etwa gleichlang sein wie Röhrbein bzw. Hintermittelfuß.

Fazit

Und wozu braucht ihr dieses Wissen? Es wird unter anderem in den Prüfungen für Reitabzeichen abgefragt und ist sozusagen eine Grundlage, die jeder Pferdebesitzer wissen sollte. Durch dieses Wissen kannst du z.B. auch sehen, wieso dein Pferd den Kopf nicht richtig fallen lässt oder nicht so gut unter den Schwerpunkt treten kann.

Außerdem ist es doch peinlich, wenn du dem Tierarzt erzählst, dass deinem Pferd das Knie wehtut, obwohl du das Sprunggelenk meintest, oder?

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